Mood de jour IX

Wir hatten gerade miteinander geschlafen, im hohen Gras, wo wir alles machten, was uns die Liebe eingab. Dann fiel uns nichts mehr ein, und wir schlugen die Augen auf, sahen den Himmel, wie er groß und blau über uns stand, spürten die Wärme, wie sie sich in uns senkte, gedachten des Fluges, wie er uns erfasst und jeden für sich alleine zurückgelassen hatte, am Ende, als er uns die Zeit nicht mehr schenkte, sondern nur noch vertrieb. Zum Glück gab es die Mondsichel, die uns zu einem Kuss animierte, mit dem alles wieder einsetzte. An den Lippen begann es, sie wurden warm und pulsierend, und als sie sich voneinander lösten, erfasste ein Stromschlag jede unserer Nervenfasern, bis die Füße zuckten und es uns nach Bewegung verlangte. Doch als wir aufstanden und einen Schritt nach vorne gingen, klaffte ein Abgrund vor uns, jäh abfallend und tief. Ohne mit der Wimper zu zucken sprangen wir, im vollsten Vertrauen darauf, dass uns nichts geschehen konnte, solange wir einander in den Armen hielten. Wir segelten durch die warme Luft und landeten butterweich auf einem Feld. Flugs schliefen wir ein. Als ich aufwachte, hocktest DU schon über mir und dein rhythmischer Atem erfasste mich: Wir ließen uns jede Freiheit, mit quicklebendigen Fingern, immer wieder, weil das nicht alles gewesen sein konnte, es musste weitergehen, jetzt und überhaupt.

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2 Antworten auf Mood de jour IX

  1. Sofasophia sagt:

    Sehr erotisch, sehr berührend, sehr bildhaft.
    Mag ich.

    • Uwe sagt:

      Das ist schön.
      Die Mood de jour-Serie betrifft ja ein bestimmtes DU, nämlich meinen Lebensmenschen, den ich glücklicherweise vor langer Zeit schon traf und festhalten konnte. Und heute war unser Hochzeitstag, daher der hohe Ton 😉

      Freut mich übrigens, dass Du mal wieder hier vorbeigeschaut hast.
      Gruß, Uwe

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