Mood de jour XXIV

Da waren wir, und zuerst bemerkte ich dein Gewicht. Wie leicht DU warst. Selbst wenn ich dich auf den Armen trug, konnte ich noch springen und unerhörte Sätze tun. Sodann traf mich der Duft, der von dir ausging, und der mich derart berauschte, dass ich nicht von dir lassen konnte. Eng aneinander gedrückt, bildeten wir das in sich verschlungene Tier mit den zwei Rücken. Als die Spitzen deiner Schlangenlocken meine Wangen berührten, durchfuhr ein gewaltiger Stromschlag meinen Körper. Ich fühlte mich einer fremden Macht anheimgestellt. Sie ergriff mich mit einer kraftvollen Dringlichkeit, und unverzüglich begann die Ausschweifung wie ein unabwendbares Ritual. Ich suchte deine Lippen, um dich ganz zu inhalieren. Wir glitten zu Boden und ich fing an, sanft die Konturen deines Körpers zu liebkosen. DU empfingst jede meiner Zärtlichkeiten mit regungsloser Passivität. Kein Wort, kein Laut, die deine Teilnahme glaubhaft bewiesen. Wie eine Voyeuse nahmst DU den Akt hin und versankst in eine ganz eigene, selbstgenügsame Verzückung. Anfänglich erregte mich diese erotische Ambivalenz, aber die rätselhafte Distanz löste sich nicht auf, selbst beim Höhepunkt nicht, als DU aus einer furchterregend weiten Ferne zu lächeln schienst. Es herrschte ein Hiatus zwischen uns, und ich merkte, dass kein neuerlicher Versuch ihn überbrücken würde. Bis zum Grund deines Wesens könnte ich nicht vordringen, deine Unzugänglichkeit bliebe bestehen. Alle zukünftigen Berührungen ließen den Abgrund, der uns voneinander trennte, nur noch spürbarer werden, und mit jedem Stoß würde mein Nichtwissen fundierter.

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