Not amused

Isola Bella

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Sonnenbad

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Und es gab ihn doch:

den Sommer!

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Short cuts XL

Seit einiger Zeit treffe ich jeden Montagmorgen um 8.00 Uhr einen guten Freund zum Gespräch in einem Café. Die Chefin ist eine aufgeräumte, junge Frau, mit der wir uns mittlerweile duzen. Sie beschäftigt mehrere Menschen mit einer Behinderung, die uns kennen und im Voraus wissen, was wir trinken wollen. Wir sitzen in der warmen Saison draußen auf dem Platz, genießen die Sonne und verfolgen das langsame Erwachen des umliegenden Geschäftslebens. Wenn der Kaffee an den Tisch gebracht wird, bekommen wir oft noch die besten Wünsche für den Tag mit einer solch frohgemuten Direktheit überbracht, dass wir uns davon anstecken lassen und unsere Themen im Geiste dieser lebensbejahenden Haltung besprechen. So verfliegt die Zeit in wechselnder Rede, in der wir uns über das politische Tagesgeschehen, aber auch die laufenden oder stockenden Familienangelegenheiten und über die jeweiligen neuen Projekte und Arbeitsvorhaben austauschen. Manchmal passieren auch vor unseren Augen kuriose Begegnungen, die wir kommentieren oder jemand richtet unvermittelt das Wort an uns, worauf wir mit der gebotenen Höflichkeit reagieren. Die lose Folge des Besprochenen, die lässige und doch verbindliche Umgangsform zwischen mir und meinem Freund und die entspannte Atmosphäre des Ortes führen dazu, dass diese Stunde nicht nur den idealen Einstieg in die beginnende Woche darstellt, sondern auch den weiteren Verlauf des Tages bestimmen kann, indem manches gedanklich weiter verfolgt oder in anderer Form umgesetzt wird. So ist der Montagmorgen zu einem Termin geworden, bei dem wir uns über das Leben und Treiben des anderen verständigen können: Das Gespräch erzeugt eine Anteilnahme, die aus und durch sich als bindend und bedeutsam erfahren wird. Solcherart wechselseitig aufgeklärt über das, was den anderen betrifft, steigen wir nach etwa einer Stunde auf unsere Drahtesel und radeln zusammen durch den Stadtpark, um zu unseren jeweiligen Arbeitsstätten zu gelangen. Dort angekommen, klemme ich mich meist hinter die Bücher, und mein Freund empfängt in seinem Büro einen Klienten, mit dem er zuallererst die „acht Brokate“ ausführt. Dies brachte mich heute auf die Idee zu dem vorliegenden Text: Könnte man den Jour fixe nicht als unser persönliches „neuntes Stück Brokat“ verstehen? Wenn auch das Gespräch im Sitzen weniger sportiv ausfällt, so fördert es doch den geistig-seelischen Ausgleich, da Worte gewechselt werden, die als ein Ineinander der Gesprächsfäden den „Brokat“ dieser Stunde entstehen lassen. Möge dieses durchwirkte Gewebe noch lange seinen besonderen Glanz für uns behalten.

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eGo

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This is a shot!

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Don’t trust in your selfie

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Tranches de vie XXI

Das Muse ächzt im festen Einband, die Leinwand reißt unter dem Aufprall einer Faust, ein unbestechliches Regime beginnt, die Zeilen jagen vorbei, und ich muss sehen, wo ich bleibe, während die Ziegel fliegen lernen und das Dach sein Balkenwerk preisgibt, doch selbst der blaue Himmel und ein Sonnenschein vom Feinsten können mich nicht hindern, das Grau in den Augen derer zu bemerken, welche die mögliche Version dieses Tages bezweifeln und mich zwingen, zurück ins Glied zu treten und das Maul zu halten. Das kann ich aber nicht, es ist mir zu schwer, und schon erleichtere ich mich hemmungslos, denn was ich nun sehe, ist phänomenal: Eimer voller Blei drücken die Bretter durch, die Träger neigen sich einander zu, Tauben kreuzen die Blicke derer, die oben auf dem Gerüst nur arbeiten wollen und nun ins Schwingen der Konstruktion einstimmen müssen, um nicht vollends zu fallen. Unterdessen formen sich am Boden die anderen zu Schaulustigen und warten, was passieren wird, da auch der Wind zunimmt, doch nichts folgt, das Gerüst hält stand, verweigert das Drama, hält die Arbeiter oben, die langsam den Rhythmus finden und nun, fast schon tänzerisch, auf den unsicheren Brettern balancieren und dabei schlichte Gassenhauer trällern. „Blitze schlagen nicht in Brennnesseln ein“, so das abschließende Statement des Poliers, mit dem er das Ereignis mit einem Sprichwort in die Grenzen des allgemeinen Menschenverstands einzuhegen versucht, doch niemand glaubt ihm. Der Polier ist über derlei Firlefanz erhaben und wendet sich der kalten Venus zu, wie er seine Gattin mit zärtlichem Nachdruck und in Erinnerung an gemeinsame Mühen nennt, die eben eintrifft und ihn mit einem Schirm aus Seide empfängt, auf dem sich die Konturen eines Pumas im Sprung zu erkennen geben. Von diesem Abgang ernüchtert, treten die anderen beiseite und schauen dem Paar nach. Die Arbeiter bleiben von allem unberührt und ordnen weiter ihre Dachpfannen.

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Locken

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Umsonst und draußen

Für J

Gestern war ich auf dem Konzert eines bekannten Jazzpianisten, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte. Mit seinem Trio gastierte er im Musikpavillon von Planten un Blomen und überraschte das Auditorium zunächst mit hart hämmernden Beats und schwirrenden Elektrosounds. Dann folgte eine innige Ballade, die er am Flügel spielte und die alle Hörer sofort verzückte. Während eines Solos des Bassisten stand eine große Frau in einem langen blauen Kleid auf und lief gemächlich auf braunen Lederpumps durch die Reihen der Sitzenden hindurch. Sie hatte sicherlich schon das Ende ihrer sechziger Jahre erreicht, aber die schöne Statur und natürliche Eleganz ihrer Erscheinung zog die Blicke schlagartig an sich. Sie schritt mit sanft schwingenden Hüften und silbergrauen Haaren langsam durch die Menge, ringsum lächelten ihr einige zu, niemand echauffierte sich über den Zeitpunkt ihres Auftritts, bei dem sich die besinnliche Stimmung der Musik als ein angemessener akustischer Hintergrund erwies. Selbst die melodischen Arpeggien, die der Pianist wiederholt in den Luftraum perlen ließ, schienen sich an ihre schlanke Gestalt zu schmiegen und ihren Bewegungen ein leichtes Wogen zu verleihen. Es war, als würden die Zuhörer wie verzaubert ihrer reifen Schönheit huldigen, so willfährig folgten ihr nicht nur die Köpfe, sondern alle machten auch ohne Murren Platz, neigten sich zur Seite, damit sie ungehindert ihr Ziel erreichen konnte. Was war nur los mit uns? Was an dieser körperstolzen und zugleich völlig unprätentiös daherkommenden Frau hatte uns bezirzt? War es ihre genuine Noblesse, die sie uns mit Charme, aber ohne Allüren darbot? Oder waren wir durch die Ballade von einer melancholischen Sanftmut ergriffen worden, so dass wir nicht anders konnten, als uns der unwiderstehlichen Ausstrahlung, die von ihr ausging, zu unterwerfen? Dabei bewegte sie sich ohne jede Caprice durch die Reihen, lächelte hier und da jemanden an, berührte sachte andere und bat stumm um Verzeihung für die Störung. Aber als eine solche nahm offensichtlich keiner ihren Auftritt wahr, vielmehr als eine willkommene Aktion, der man mit friedlicher Verwunderung zusah, da sie die Musik mit einer anmutigen Choreografie ergänzte. Als sie bei mir, der ich auf einer niedrigen Stufe saß und das Schauspiel verfolgte, vorbei kam, erreichte mich ein parfümierter Luftzug, der an den Duft frischer Orangen erinnerte, und ihr langes Kleid bauschte sich im Vorübergehen derart auf, dass mein Kopf für Sekunden unter dem blauen Stoff verschwand. Aus dieser momentweisen Verdunkelung tauchte ich verdutzt auf und konnte gerade noch ihr fein mit Falten durchzogenes Gesicht erkennen, dessen Mimik zu sagen schien: „Keine Bange, ich komme zurück!“ Doch da hatte ich mich getäuscht: Sie kam nicht wieder, aber ihr schöner Schein blieb in Gedanken bei mir, bis die Musik mit einem Zischen des Beckens verstummte und, nach einer kurzen Weile, der Applaus die Spannung löste.

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