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Paralyzed by the emptiness I

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Möglichkeit des Verschwindens III

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Möglichkeit des Verschwindens II

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Möglichkeit des Verschwindens I

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Tranches de vie XXVII oder: Die Wildnis der Pause

Tauge nichts!

 

Tja,

trinke Bier oder Wein und mache die Leinen los, schau’ dem Liebesmobil nach oder bohre dir mit dem Zeigefinger in der Nase, versuche zu dösen unter dem lichten Wäschesegel im Garten, doch Geräusche perforieren die Stille, dazu das unerbittliche Läuten der Glocken der Andacht, es ist ein Graus, aber da, endlich, taucht die schwarze Mähne von Eli auf, zu der du hinschaust, ohne auf eine Erwiderung zu warten, dein Magen knurrt und ein närrisches Kind krakeelt, dir ist, als kostest du etwas, das in Gänze nicht eintrifft, denn die Verlosung hat noch nicht begonnen, du musst selbst großzügig zu dir sein, um die G r e n z s t e i n e zu verrücken,

tja,

denn unaufhaltsam kommt die Zeit des finalen Flügelhemds näher und du verschwitzt jede Nacht die Bettlaken, am Morgen weckt dich bisweilen ein Spatz, der an die Scheibe klatscht, du steigst in den Tag hinab, du blökst, irrst, fieberst, bis du den elektronischen Kummerkasten erreichst, um ein paar Sätze zu tippen, solche, welche die Zwietracht nicht kitten, sondern mit heißer Nadelspitze aufspießen,

tja,

und wenn das Mausen nichts mehr bringt, kannst du die Katze häuten, da helfen keine verregneten Sonntage, an denen du liegen bleibst, mit der Erwartung, in dieses Leben doch noch hineinzuwachsen, aber ohne Aber kommt man nicht aus, und so klaubst du deine Sinne zusammen und richtest sie auf deinen Darling, dem du noch einmal die Sporen geben willst, bis alle Zügel reißen und jetzt Jetzt ist, doch es kommt nicht dazu, vergebliche Liebesmüh auch das,

tja,

die Wolken ziehen weiter, die Blätter färben sich, es wird früher dunkel, du sammelst Grablichter und stellst sie ins Fenster, du bist allein geblieben nach einer langen Partie, bei der du deinen Namen vergessen hast, der nicht wieder kommt, du wirst wohl nachsitzen müssen, bis auf der Tafel etwas erscheint und du es verstehst und weißt, dass ein Verzicht mitunter reicher macht, und nicht mehr weiter zu wissen auch dazu führen kann, wieder auf Tour zu gehen, einerlei, wohin und zu welchem Ende, Hauptsache mit einem Gefährt unterwegs, du steigst ein und braust los, und schon miniaturisieren sich die Orte im Rückspiegel, du bist wieder auf Montage, und jede langgezogene Kurve verspricht dir eine Aussicht, auf die du lauerst, das Tempo darf nicht hoch sein, weshalb du runter schaltest, immer langsamer wirst und endlich an einem entlegenen Ort zum Stehen kommst, wo die Zeit stillzustehen scheint,

tja,

dann bereite dir ein Basislager, pausiere und leere deine Speicher, damit vieles sich auf und in dir niederlässt, versiegele deine Lippen, vertraue der Göttin Spleen, justiere deine Aufmerksamkeit und verschiebe dich innerlich, suche keine hintersinnigen Botschaften oder Zeichen, sei nur wachsam und warte, nimm wahr, horche, und bleibe offen für alles, was dich auf leisen Sohlen heimsucht, konserviere diese denkmalgeschützte Haltung und kontempliere, bis die Wirklichkeit und die Wörter zwei Paar Schuhe sind, es kostet dich ja nichts, und doch streichst du in solchen Momenten, wenn sie glücken, vielleicht den Überschuss einer Erfahrung ein, die dir eine klitzekleine Verschiebung der Perspektive bietet,

tja,

doch solches Verweilen in Intimsphären hält nie lange an, immer nahen die Nöte, die Zwickmühlen, die Eilmeldungen, die Phrasen, der Argwohn, der Lebensernst, und das Silentium ist vorüber, doch du willst noch nicht ans andere Ufer übersetzen, nein, du bleibst bei deiner Mission und schaltest alle Sicherungen aus, du lehnst dich zurück, siehst eine kleine Spinne an ihrem Faden baumeln, direkt über deinem Gesicht, du beachtest sie nicht weiter und drückst mit der Zuversicht eines Gläubigen auf die Playtaste, damit die Toccata aus der Partita Nr. 6 vom Heiligen Johann, gespielt von Glenn Gould, dir eine wahre Freude schenkt,

tja,

mehr innerer Frieden als vom Erklingen des ersten bis zum Verhallen des letzten Tons wird dir nicht oft beschieden sein, und es kann passieren, dass du von diesem Flug nicht sofort zu dir zurück kommst und für eine geraume Weile durch Regionen mäanderst, wovon es keine Ansichtskarten gibt und an denen sich die Geister scheiden,

tja,

und schlussendlich erwachst du doch und bist retour, der K l e i n e G r e n z v e r k e h r ist vorbei, du schüttelst dich und drehst weiter gebührenfreie Runden, verbringst deine vielversprechenden Dates in einbruchssicheren Luftschlössern, du bist und bleibst ein Flaneur auf Nebenwegen und pflanzt dich in Notaten fort, die für dich zu einem mitlaufenden Imaginarium geworden sind, du sammelst sie und wirfst sie als  Flaschenpost ins Web, und wenn keiner sie findet, so trägst du das mit Fassung,

denn es ist allein der Wurf,

der zählt

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Entfernter Verwandter

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Niemals vergebens, immer mit Wein

Meine Heimat steht in den Sternen, spricht er laut vor sich her und setzt sich in Bewegung. Zahlreiche Dämonen versperren ihm den Weg, kopulieren ohne Rücksicht auf Verluste direkt vor seinen Augen und fordern ihn auf, die Dinge hinzunehmen und das Maul zu halten. Alles, was in ihm brodelt, soll im Halse stecken und also unausgesprochen bleiben. Augenblicklich schwillt ihm der Kamm. Zornig schlägt er um sich, trifft aber keinen, und alle lachen über seinen zappeligen Tanz. Zuletzt wirft er Sprengsätze in die Menge, doch das treibt sie nur noch mehr an. Dann fällt ihm eine List ein: Er verspricht hoch und heilig, keine Worte mehr auszuwerfen, nennt sich einen winselnden Clown, der verstummen soll. Ein falscher Fuffziger wie ich gehört aufs Schafott, versichert er ihnen, und siehe da, sie lassen von ihrem Vögeln und Pöbeln ab, treten zur Seite, und so kann er, da er sich zur Stummheit selbst verpflichtet hat, weiter ziehen. Das hat auch seine Vorteile: Als ein Ohnmächtiger bleibt er unsichtbar und trottet sehenden Auges, aber mit versiegelten Lippen, durch die Gegend.

Doch schon nach wenigen Minuten plagt ihn das Zurückgehaltene: Blähungen pumpen seinen Bauch immer mehr auf, und kurz bevor er wie ein Gasballon vom Boden abhebt, explodiert ein monumentaler Furz in die weite Welt. Was für ein höllisches Vergnügen! Was für eine himmlische Befreiung! Die Gnade der Flatulenz! Es folgen noch einige sehr gehaltvolle Knaller, denn die Darmwinde lassen nicht nach, treiben ihn vor sich her, bis er an eine Mauer stößt, langsam heruntergleitet, sich umdreht und sitzen bleibt.

Neben ihm auf dem Boden steht eine Flasche Wein. Der Inhalt leuchtet rot, das Etikett ist nicht zu entziffern, der Korken steckt fest im Hals. Worauf soll er warten, ein Anlass ist schnell gefunden, zumal nach dieser Blährunde. Aber auch ohne einen solchen Grund fühlt er sich für einen guten Schluck immer bereit. Zudem ist er für Zufälle solcher Art gut gerüstet, denn er trägt stets einen Korkenzieher bei sich. Er öffnet also die Flasche, setzt sie an den Mund und nimmt einen kräftigen Schluck. In der Ferne hört er wieder die Dämonen Liebe machen. Doch mit jedem Schluck ängstigen sie ihn weniger. Ihr werdet mich nicht zum Verstummen bringen, sagt er zu sich, und leert die Flasche mit einem letzten Schluck aus. Dann kreiselt alles in seinem Schädel und nichts bleibt auf seinem Platz. Die Augen werden müder, die Glieder erschlaffen, der Körper gehorcht der Schwerkraft, sinkt zur Seite, zuckt noch kurz, bis er die Welt schlafend verlässt und Lichtjahre weg von allem ist, was ihn bedrückt.

Der Traum, in den er fällt, ist wie ein Triebwerk, das niemals vergebens zündet. Eine ungeheure Schubkraft katapultiert ihn ins Irgendwo, alle guten Geister versammeln sich um ihn und ein Geflüster von Stimmen hebt an, in dem Sätze auftauchen, die nicht auf der Hand liegen, sondern hinterm Rücken der Alltagswelt ihr wundertätiges Wesen treiben, und der Träumer tröstet sich damit, dass er den rechten Platz gefunden hat, um diesen Boten zuzuhören, wenn auch kein einziger sich ins Wache hinüberrettet, doch im Traum spenden sie sieben Leben, mindestens.

Kaum ist er zurück, setzt er sich auf, schaut um sich und spürt die harte Mauer in seinem Rücken. Es fällt ihm schwer, wieder aufzustehen. Nach so einem traumreichen Schlaf ächzt nicht nur der Geist, auch der Körper braucht seine Zeit, um wach zu werden und zu Kräften zu kommen. So endet hier der Ausflug, vor allem auch, weil seine Muse, die gerade auf ihn zugeht und ihn auflesen will, jeder Beschreibung spottet und nach einer stillen Vereinigung verlangt. 

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Ein Glas Wehmut

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Abwesenheitsnotiz

Sobald er sein Tagwerk bezwungen hat, bauen sich andere Hindernisse vor ihm auf, und obschon total erschöpft beginnt er erneut. Auf unerklärliche Weise sind alle seine Anstrengungen vergeblich, er kommt an kein Ende, immer treten sofort neue Aufgaben und Erschwernisse hinzu. Doch ruhig, entschlossen und ohne zu Murren geht er seinen Weg, wohl wissend, dass jede Hoffnung auf Erleichterung oder gar Rettung die Mühsal nur verstärkt.

Zum Glück gibt es Musik, der er verfallen kann, und Melodien, die alle Beschwerden auflösen. Jede Unruhe fällt von ihm ab, und was ihn eben noch bedrückte, wird dann leicht und einfach. Er atmet frei, wünscht nichts und fürchtet nichts. Und kein Gedanke meldet irgendwelche Schrecken an: friedliche Minuten eines heilenden Vergessens, wie aus einem Leben jenseits des Lebens. Diese Momente trägt er als Kleinod bei sich, ruft sie sich ins Gedächtnis und horcht den Melodien in Gedanken nach.

Bisweilen flüchtet er sich in den Abendstunden in eine Kneipe. Die Jukebox dröhnt, ein Korn rutscht über die Theke, mancher guckt böse, andere dösen, jeder wie er kann, niemand sucht etwas, sie sind nur da, müssen nichts erklären, hängen – wie er selbst – schweigend ab und hoffen, beim nächsten Drink ruhiger zu werden und die Sorgen und ihr Leben, in groben Zügen, zu vergessen. Jede Menge Sentiment sammelt sich in der Ecke, wo er sitzt, seinen Absacker trinkt und den Lyrics des großen BC nachsinnt: All I want to do is to make love to you in the fertile dirt / In the fertile dirt / With a careless mind. Draußen wird es dunkel. Er geht auf die Straße und atmet frische Luft. Der nasse Asphalt leuchtet, und im letzten Licht denkt er, dass den Verlassenen zum Trost die Lieder, die Worte und Geschichten bleiben.

Zuhause legt er sich hin und liest einen Roman, verliert sich im Fluss der Handlung, begeistert sich mitunter für einzelne Sätze, unterstreicht ganze Abschnitte, aber dann wird er abgelenkt, verliert, was er liest, aus dem Sinn, und eine innere Leere tritt ein, die ihn nach und nach so ermüdet, dass sein Sehvermögen nachlässt und seine Augen zufallen. Er kämpft nicht dagegen an, lässt jeden Handlungsfaden los, und ganz von alleine erscheinen im Halbschlaf andere Bilder, denen er sich willenlos ausliefert, bis das Buch ihm aus den Händen rutscht. Ohne Bedauern übergibt er sich dem Schlaf.

Im Traum geht er zur Wohnungstür und öffnet sie. Aber es kommt niemand, und er fühlt sich auf verlorenem Posten. Plötzlich ist das Surren einer Münze in der Luft zu hören, die direkt vor ihm auf dem Boden landet und, sobald sie zur Ruhe kommt, ein Auge zeigt, das sich in Zeitlupe öffnet. In der Spiegelung der Pupille erkennt er einen rotierenden Quader, der sich rasch nähert und dann in explodierende Lichter übergeht, so hell, dass er geblendet wird. Er dreht sich weg und spürt, wie sich die Wände der Wohnung in einen Pulk von Figuren verwandeln, die ihn umkreisen. Die Blendung lässt nach und er erkennt, dass sie aus weichem Gallert bestehen, welches immer flüssiger wird und sich um seine Füße zu sammeln beginnt. Bald ist er vollständig umschlossen, und der Pegel steigt so hoch, dass nur mehr sein Kopf frei bleibt, der von einer geheimen Kraft langsam um die eigene Achse gedreht wird, bis er sich löst und wie ein Ballon abhebt, um auf und davon zu fliegen.

Der träumende Geist arbeitet im Flug noch eine Weile weiter, dann leert sich der Schädel und irrt durch die unendlichen Räume.

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