Tastatouren

In leeren Momenten kniet er sich nieder. Dann dröhnt ihm das Unmögliche in allem entgegen, und er will einmal hemmungslos verweilen vor dem Loch und hineinstarren, gedankenverloren, ohne Eigenwillen, um dann in der Abwesenheit zu versacken.

Die Augen werden täglich weniger fähig, klar zu sehen, und sein Geist vertrocknet zunehmend zu einer Backpflaume. Nachts wird etwas in ihm zum Untier, das in panischer Raserei in seinen Träumen wütet, alles niedermäht, was ihm lieb und teuer ist, und er denkt, er muss weg, irgendwo ankommen, wo es stiller ist.

Zudem häufen sich die Aussetzer. Gestern betrachtete er auf seiner Runde das Ende einer Straße, wie in einem Traum öffnete sich eine Tür, heraus trat ein Mann mit Bauchansatz, aus dessen Mund ganz langsam Zähne herausfielen, einer nach dem anderen, während hinter ihm eine Lampe mit der Aufschrift „Edenhall“ flackerte. Merkwürdig auch der heutige Morgen. „Komm gestern wieder“, forderte ihn der alte Mann auf, als er vor dessen Wohnung stand und einen versehentlich bei ihm gelandeten Brief überreichen wollte.

Dieses Nichtverstehen nimmt zu. Wenn er die Straßen entlang geht und nichts im Kopf hat, ist zwar alles, was ihm begegnet, dazu angetan, ihn in jene Richtung zu drängen, mit der alles begann, damals, als das Spielen noch geholfen hat, aber in letzter Zeit bleibt nichts mehr haften und die Verwandlung setzt nicht ein.

So verzieht er sich ins Zwielicht der Worte, mit denen er seine Lage umschreibt, in der Anverwandlung dessen, was er liest und exzerpiert:

Durchs Schlüsselloch ziehen Wolken von Säften gesteuert frisst er selten schöne Zuckererbsen und seine Rute lauert im Dunkeln

Aber das sind nur ungelenke Zeilen, die im virtuellen Nirwana verschwinden.

Versenkte Mühe.

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bleibt behütet

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Das Risiko der Freiheit

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Heimaterialien

Alles vorbei, und doch wirkt es nach, was ich bei meiner letzten Heimkehr

gesehen, gehört, erinnert

habe:

die Spur der Küsse, die ich damals auf den Feldwegen meines Heimatdorfes tauschte,

die Lichtungen, auf denen ich mich damals nackt sonnte,

der dunkle Tannenwald, der mir damals das liebste Versteck war,

die Leute von damals, nun merklich gealtert, aber immer noch mit dialektalen Redewendungen, die mich zurückversetzen und zu jenem Jungen werden lassen, der ich einmal in ihren Augen war,

die Äcker mit ihren starren Furchen, die ich damals belächelte,

die Wiesen mit den Heuhaufen im Sommer, in die ich damals halsbrecherisch eintauchte,

die Gräber all derer, die mit mir damals aufwuchsen und vor mir gingen,

die alten Häuser von damals und ihre Fehlstellen im Fachwerk,

die damals noch nicht von Schlingpflanzen und Rostblumen überwucherten Autowracks am Rande abgelegener Wäldchen,

die verwunschenen Stellen, an denen ich damals in vielerlei Hinsicht Unschuld verlor,

die gewissen Miststücke, von denen damals kein Loskommen war,

die unsignierten Träume des Adoleszenten, die ich damals an die Wände des Jugendclubs kritzelte,

die Geschichten von damals, in die ich verstrickt war,

die verbalen Verfehlungen gegenüber den Dorfidioten von damals,

die lausbübischen Streiche, für die es damals Saures gab,

meine Unkenntnis über die naturtrüben Verhältnisse, in denen damals alle unweigerlich versickerten,

mein juveniles Klugscheißen, mit dem ich damals die Monotonie des Alltags der anderen niedermachte,

die Bilder von mir, die damals wie Steckbriefe in den Köpfen der Dörfler hingen und denen ich ums Verrecken nicht ähneln wollte,

die übermütigen Ausbruchsphantasien, die der Halbwüchsige damals hegte,

… etcetera …

und heute widerfährt es meinem mittlerweile fernab der heimatlichen Gefilde lebenden, mittelalten Ich immer wieder mal, dass es sich zurücksehnt in die Zeit seiner Jugend in diesem durch und durch stinknormalen mittelhessischen Ort,

aber

es gibt kein Zurück.

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Glasschattenspiel

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Melone im All

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Horrorcore Porn

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Jesaja, ja

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Tachinieren

Habe schlecht geschlafen,
bin auf Toilette gegangen,
habe warm geduscht,
bin wieder ins Bett,
habe prekär geträumt,
bin unlustig aufgewacht,
habe mich angezogen,
bin ziellos umhergestreift,
habe Sonne getankt,
bin leichthin eingekehrt,
habe niemanden umarmt,
bin alleine geblieben,
habe Bier getrunken,
bin zuhause eingetrudelt,
habe mich übergeben,
bin aus den Latschen gekippt,
habe den Teppich geküsst,
bin in mich gegangen,
habe nichts gefunden,
bin in die Küche gestolpert,
habe den Hunger gestillt,
bin ruhig geworden,
habe ein Buch aufgeschlagen,
bin am südlichen Ende der Couch eingeschlafen,
habe von U geträumt,
bin mit einem Kater aufgestanden,
habe ihn im Klo entsorgt,
bin auf die Loggia getreten,
habe gebührend gegähnt,
wollte den neuen Tag begrüßen,
aber er war nicht da,
tja,
auch mein Leben
hat seine Härten

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April 2020

Don’t let it bring you down

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