Short cuts XLVIII

Zwei Milane kreisen vor schwebenden Wolken, ein Starenschwarm wirft seine Loops an die Himmelsleinwand, Raben krächzen in der Ferne, Schwalben albern herum, der Spatzenklatsch tönt im Ohr, kein Hauch an diesem heißen Tag, nur der Flügelschlag der Schmetterlinge bewegt die Luft. Ich verstecke mich faul in der Fülle der Gräser und lese die Zeile: „Weise schlaffheit – nur im bade / Wahre gnade“. Also gehe ich in den See und mime den toten Mann. Auf der Liegewiese senkt sich der Abend langsam auf mich nieder: Ich rutsche mir den Buckel runter und hoffe auf kein Morgen.

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Falter im Pool

Bitte (nach Franz Hohler)

Könntest du
Fotograf
das nächste Mal
wenn du einen Todeskampf aufnimmst
und möglichst nah heranzoomst
könntest du dann
deine Kamera sinken lassen
und stattdessen
das Lebewesen retten?
Danke.

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Triangle

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Fingerzeig

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Ballen

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Short cuts XLVII

Nach einem heißen Tag köpfe ich den Roten und genieße auf dem Balkon im Schatten die Abwärme der Backsteinwand. Unten im Garten plaudern Syrer, während sie ihr Kanu transportfertig machen. Daneben sitzen rothäutige Twens in der Abendsonne und trinken Bier in Dosen. Ein Kind lärmt, ein zweites trampoliert und ein drittes wirft Sandstaub in die Höhe. Bisweilen ziehen Pappelsamen traumverloren am Geländer vorbei. Ein leichter Wind lässt die Blätter sanft rauschen. Und da passiert noch das Unvermeidliche: Hyperactive Dad inszeniert erneut den Triumph des Grillens, zum xten Mal, in unterschiedlichsten Settings. Vielleicht brennen heute mal nicht die Würste und Fische an und verbreiten üblen Gestank. Über allem zieht eine Cessna ungerührt ihre Kreise am Himmel. Später wässere ich die Blumenkästen, deren Erde furztrocken ist. Beim Eindunkeln kommen fünf Mütter in den Garten und schnattern. Die Gläser klirren, die Kerzenlichter flirren, die Stimmen widerhallen von den Hauswänden. Ich höre zu, verstehe indes nur einzelne Wörter, die sich um ihre Blagen drehen. Desinteressiert wende ich meine Sinne ab und wachträume von all-inclusivischen Umarmungen. So verlasse ich mit der Hoffnung auf eine markante Nacht den Balkon. Drinnen ist es unheimlich leer und ruhig. Leise trotte ich durch den Flur, trete ins Schlafzimmer ein und sehe die kaum verhüllte Liebste auf dem Lager liegen. Flugs steige ich aus den Klamotten, im Kopf ein Lustspiel sondergleichen, doch da schallt es aus ihrem lobpreisverdächtigen Mund: „Nein, jetzt nicht, bald, vielleicht. Und zieh’ noch die Plissees runter, bitte.“ Ich folge ihren Worten und verfüge mich auf meine Seite des Bettes. Kurz darauf stellt sich eine Art von Entspannung ein, als ich mir, eingerollt in meine Decke, einen anderen Schluss dieses Tages, dieses Textes ausmale. Die Details bleiben hier unbeschrieben. Sie gehören nur mir. Ich behalte sie in petto und verdünnisiere mich in die „Traumweberei“.

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Lines

Lebewesen bewegen sich nicht linear.
Bögen, Kurven, Schlingen, Überschneidungen, Wiederholungen – wir gehen und gleiten nicht auf geraden Wegen, weder durch’s Leben noch sonstwohin.
Spuren in Erde, auf dem Asphalt oder Eis, unbeachtete Überbleibsel von, vielleicht, ein wenig kurzer Freude. Spuren des Rollens und Gleitens, die vielleicht begleitet wurden von roten Wangen und dem Verfliegen von Atemwolken aus blauroten Gesichtern.
Sie sind ein Nebenprodukt von dem was Spaß, Unterhaltung, Ablenkung, was kurzes Sein in anderem Zustand war; Zeichen dessen, was Leben – auch – bereithält, manchmal.
Minuten auf der Bahn, der Straße, dem Eis, wenn’s gut läuft, tanzen wir einen kurzen Moment, auf kalter, unsicherer, brüchiger Fläche ohne Grund, einem Dunkel, aus dem Augen großer eingefrorner Fische starren.
Im Frühjahr schmilzt dann das Eis, niemand denkt mehr dran, getaut, verlaufen, vergessen. (H)

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Sandscape

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O-See

Am Meer bei heftigem Wind und Regenschauern. Ein Rauschen trifft auf meine Ohren, als wäre ich einem ständigen, tiefen Orgelton ausgesetzt. Das Wasser färbt sich blattgrün, die Wellen überfluten das steinige Ufer mit weißen Schaumkronen. Sie rollen unermüdlich heran. Darüber hurtig ziehende, ineinander geschobene Wolkenmassen. Und der Regen in der Ferne, Wasser, das in Wasser fällt. Dann bricht plötzlich die Sonne durch. Das Meer glitzert wie Glasbruch. Überall, wo Licht das Wasser berührt, entstehen glänzende Funken. Welch verrückte und kraftvolle Üppigkeit, und doch so flüchtig, so endlich. Vom Rauschen erfüllt stehe ich im Wind, genieße die verzückende Gegenwart der Eindrücke, so weit das Auge reicht.

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Meias de cama

Hat eine Riesenschildkröte ihr Salatblatt verloren? Und vor allem: Wie kam sie eigentlich in’s Bett?
Hat jemand entzündete Gelenke, und das Kohlblatt fiel beim Aufstehn aus dem über Nacht gelockerten Verband?
Weder noch, da hat sich was aufgerappelt, mit verworrenem Haar, dösigem Kopf, halb noch unfokussiertem Blick aus noch nicht recht geöffneten, verquollenen Augen, hat die Socken abgestreift (warum haben Weibchen eigentlich immer khalthe Füsse?), achtlos hingeworfen, tastend im Hemdchen durch’s kühle Zimmer zur Toilette tappend. (H)

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