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Die hier veröffentlichten Fotos entstehen allesamt beim Spazierengehen. Sie zeigen zufällig in mein Blickfeld geratene und mit der Kamera festgehaltene Motive. Es geht mir bei diesen Augenblicksaufnahmen um eine Zwiesprache mit dem Sichtbaren, in der etwas scheinbar Vertrautes und Alltägliches ins Befremdliche oder Überraschende kippen kann. Alle Besucher sind herzlich eingeladen, ihre eigene deutende Fantasie tätig werden zu lassen und die Fotos zu kommentieren.Kategorien
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Denkpause
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Verschlagwortet mit Fundstücke, Spiegelungen, Stadtraum, Wände
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Najaden VII
Naja, ich gebs zu, es ist nur eine flohkleine Winzigkeit, aber sie ist mir einmal widerfahren und ich hatte keinen Einfluss darauf: Ich saß auf der Loggia und über den versprengten Melodien des Gefangenenchors aus Verdis „Nabucco“, dargeboten von einer Nachbarin auf dem Klavier, ertönte plötzlich die Stimme der alten Frau in der Wohnung unter mir, die sich am Telefon lautstark über ihren dementen, bettlägerigen und zudem schwerhörigen Mann mit derart grobsinnigen Ausdrücken beschwerte, dass es mir zunehmend schwerer fiel, ihrer Litanei zuzuhören, zumal mit dieser Hintergrundmusik, die ihr Lebensabendschicksal in diesem Moment zu grundieren schien.
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Grenzgang
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Short cuts XXXII
Aus heiterem Himmel sitze ich mittendrin in einem Hörspiel über die Not und den Murks eines fremden Lebens, als mich auf einer Bank am Kanal ein alter Mann anspricht. Ohne dass ich Haltebojen in seinen Redestrom einwerfen kann, erfahre ich von einem Schlaganfall, der ihm vor zwei Jahren zugestoßen sei. Längere Zeit plagte ihn eine Aphasie, die er unter anderem mit Hilfe unermüdlichen Tagebuchschreibens überwunden hätte. Durch das Notieren des täglich Erlebten fand er nach und nach seine Wörter wieder, mit denen er nun bei jeder Gelegenheit auf willige und unwillige Passanten einrede, so groß sei seine Angst, sie erneut verlieren und in eine heillose Stummheit verfallen zu können. Seine Frau, wie er mir augenzwinkernd verrät, hätte dieses ihm auferlegte Schweigen so sehr genossen, dass sie jetzt, wo er es jeden Tag und selbst bei Nacht wortwörtlich breche, schon am Frühstückstisch laut über in der Ehe zulässige Formen des Knebelns nachdenke.
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Blaues Licht
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Short cuts XXXI
Am Morgen traf ich beim ziellosen Schlendern auf eine Frau in einem blassblauen Kostüm, deren Schuhe ihr nicht mehr recht zu passen schienen. Früher saßen sie wohl mal wie angegossen, doch jetzt, im hohen Alter, schrumpften die Füße, und so machten die Absätze beim Gehen ein klackerndes Geräusch. Wie eine unliebsame Erinnerung, die sich immer wieder ins Gedächtnis ruft, ertönte es bei jedem Schritt kurz und hart auf dem Asphalt. Zudem rieben sie an den Fersen, die sich unter den Strumpfhosen schon zu röten begannen. Bei einer Ampel stoppte sie eher unwillig, und ich bemerkte die Schminke, die ihr faltiges Gesicht wie eine verwitterte Maske bedeckte. Auch waren die dürren Haare zu einem labilen Turban toupiert, der im Wind hin und her wankte. Ich dachte gerade die Worte Verpuppung des Alters, als sie plötzlich und ohne auf das Grün der Ampel zu warten die Straße überquerte und heil auf der anderen Seite anlangte. Ein Passant wies sie überdeutlich auf ihr Fehlverhalten hin, doch leise murrend wehrte sie dessen Worte ab, worauf dieser ausfallend wurde. Er beschimpfte sie mit „Fotze“ und ging, sobald er durfte, über die Straße. Beim Überholen der Frau stieß er laut vernehmliche Todesverwünschungen in ihre Richtung aus und verschwand wild gestikulierend hinter der nächsten Ecke. Die Frau blieb wie erstarrt stehen, so dass ich ihr unvermutet sehr nahe kam, und das letzte, was ich bemerkte, war ein Geräusch: das leise Knirschen ihrer Zähne. Ein Kloß setzte sich auf meine Gurgel – und blieb bis eben jetzt, wo in meinem Kopf das traurige Los der verfluchten Greisin widerhallt und ich froh bin über alles, was mir beim Schreiben NICHT zustößt, so dass ich sie hier, in den letzten Zeilen dieses Notats, das morgendliche Schrecknis vergessen und weiter mit ihren Absätzen unbehelligt durch die Straßen klackern lasse, bis auch das von niemandem mehr gehört und sie selbst verschwunden sein wird.
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Mood de jour III
Mir fällt immer erst ein, was ich dir sagen will, wenn DU fort bist. Und ich behalte es nicht lange genug, um es sagen zu können, wenn DU wieder da bist. Was ich dir dann sage, ist nicht das, was mir einfällt, wenn DU nicht da bist, sondern nur das, was mir in deiner Gegenwart zu sagen möglich ist. Und das ist all das nicht, was dich und uns angeht … So einfach ist das.






