Endstation

Ein Kaninchen irrt im Vorgarten umher. Es scheint krank und erblindet zu sein, denn es stößt überall an, flüchtet auch nicht, wenn ein Passant mit kläffendem Hund an ihm vorüberzieht. Seine Bewegungen wirken ohne Ziel, verlaufen kreisförmig und werden immer stockender. Vor einer Hecke bleibt es sitzen, duckt sich, schnuppert, dann hoppelt es weiter. Keiner weiß, wie ihm zu helfen ist. Alle bis auf mich ziehen sich von ihren Loggien zurück, um dem Offensichtlichen nicht beizuwohnen. Dann wird es schwächer, ruhiger, bleibt auf der Stelle in der Nähe der Blumenrabatten hocken, bewegungslos. Wenig später geht ein Schütteln durchs Fell und es rückt einige Zentimeter weiter, bis es erneut erstarrt. Ich versuche mich auf die Zeilen zu konzentrieren, die vom Wendekreis der Sackgassen handeln, doch ich hebe nahezu minütlich den Kopf vom Buch und schaue nach unten, um den Fortgang des Kampfes nicht zu verpassen. Ich stelle mich sogar an die Brüstung und lese im Stehen, um von höherer Warte aus mit den Augenwinkeln die Arbeit des Todes zu verfolgen. Plötzlich ist das Tier verschwunden. Nun kann es unbehelligt verenden.

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