Auf die Folter spannen verboten!

Es war einmal ein Gedicht. Eines Tages wurde es von Deutebolden nackt ausgezogen, auf eine Pritsche gelegt und an Händen und Füßen gefesselt. Sein Gesicht bedeckte man mit einem nassen Tuch, holte eine Gießkanne und begoß den Mund mit Wasser, bis es würgen musste. Dann nahm man ihm das Tuch ab und wartete darauf, dass es eine Botschaft preisgab. Doch nichts außer einem Röcheln war zu hören. So wurde das Procedere wiederholt, immer wieder und heftiger, aber das Gedicht blieb stumm. Es ließ sich nichts abpressen, ertrug die Tortur und gab seine Konfessionen nicht preis. Zuletzt versuchte man, es mit den gröbsten Drohungen aus der Reserve zu locken, doch ohne Erfolg. Das Gedicht hielt allen peinlichen Anfechtungen stand, und so löste man die Fesseln und entließ es in die Freiheit. Dort geriet es in die Gesellschaft von Kindern, bei deren Spielen es nicht weiter auffiel. Niemand klebte ihm an den Versen und so entblößte es unaufgefordert seine tiefsten Gedanken.

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