Gebrauchsanweisung für einen dieser Tage. Eine Wiedervorlage

Also,

wenn deine Liebste am frühen Morgen zu einer längeren Reise aufgebrochen ist, verschaffst du dir im Bad erstmal Erleichterung.

Dann legst du Marika flach und dehnst zu einer Lesung von Peter Kurzeck deine Glieder.

Danach sitzt du auf der Loggia und trinkst in der Sonne Kaffee, schaust auf die Straße und bemitleidest den alten Mops, der täglich mühsam hinter seinem Herrchen herwackelt.

Zur Entspannung surfst du frei nach Plan durchs Web und landest auf Sites, die dein Hirn mit Trivia ablenken.

Du nimmst eine kalte Dusche und kochst dein Lieblings-Risotto.

Nach dem Essen entschließt du dich zu einer Bummelei.

Wenig später streunst du durch die Gegend, was die beste aller Arten ist, die Zeit zu verplempern.

Raus aus der Tür und vorbei an telefonierenden Nachbarn, die du nicht grüßt, nimmst du nach wenigen Metern ein scharfkantiges Hacken-Klack-Klack hinter dir wahr und verlangsamst deine Schritte.

Eine junge Frau in einem eng anliegenden Kostüm mit Camouflagemuster überholt dich, und du folgst ihr bis zu einer Ampel, um dort sekundenlang in ihrer Parfümwolke zu verharren.

Noch bevor die Ampel umspringt lässt du sie links liegen und setzt dich auf eine Bank am Kanal, auf der du einige Viertelstündchen verwartest und den sanft tuckernden Alsterdampfern nachsinnst.

Danach kehrst du ins Forum ein, kaufst eine neue Kladde und siehst in einem Tierfilm, der im Schaufenster eines TV-Ladens läuft, wie ein Kolibri über einer Blüte schwebt. Die Eleganz des Tieres gefällt dir, du verlierst aber das Interesse und machst dich auf den Heimweg.

Auf den Straßen schaust du in vorbeieilende Mienen, notierst dir Gestalten, die schwer atmend im Schatten auf Betonbänken rasten, beobachtest Passanten, die unermüdlich ihren Kopf schütteln und vor sich hinfaseln, wunderst dich über gertenschlanke Mädchen in Shorts, die sinnbefreit in ihre Handys kreischen, bemerkst, dass viele immer noch ihre Munaske am Ärmel tragen, und staunst zuletzt Kinder an, die sich über eine Feder freuen, die in einer Regenlache treibt.

Zuhause liest du ein oder zwei Poeme, um runterzukommen.

Dann wirst du müde und lässt dich fallen. Ohnehin ist es schon Abend.

Du trinkst noch ein Bier, und noch eins, und mit dem Gefühl, ziemlich heil durch den Tag gekommen zu sein, liegst du im Bett.

Das wird sicher keine schlimme Nacht, denkst du, und tauchst in den Schlaf ein.

Als letzte Meldungen entlässt du einige Schnarcher in die ausnehmend ruhige Dunkelheit.

Im Traum erscheint dir U und du weißt: Diese Liebe kann kein schlechter Witz sein.

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