Intermezzo II

Meist bleibt er liegen, ohne die geringste Anwandlung, seine Lage zu wechseln, stundenlang, regungslos, so dass man meinen könnte, er schlafe meditierend oder meditiere schlafend. Und nur unter dem Druck äußerster Notwendigkeit lässt er sich dazu verleiten, aufzustehen und umherzugehen, doch nur mit einer Geschwindigkeit von nur ein paar Dutzend Metern pro Stunde, wobei er häufig innehält und in Zustände einer seltsamen Zerstreuung verfällt, während derer er schon mal sein ursprüngliches Vorhaben oder Ziel vergisst und sich auf einer Wiese niederlässt, ein Taschentuch über die Augen legt und in der Sonne döst oder zwischen den Grashalmen leise zu singen abhebt. Bei seinem gemächlichen Hin und Her gibt er nie sein Lächeln auf, das man nicht anders als den Ausdruck einer vollständigen Glückseligkeit verstehen kann. Selbst bei der Liebe lässt er sich Zeit, zieht die Annäherungen in die Länge und nur, wenn es zur finalen Begegnung kommt, bricht er völlig unerwartet und ohne Scham in frenetische Zuckungen aus, wonach er gleichermaßen beglückt wie erschöpft erneut in seine selbstgenügsame Lethargie verfällt.

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