Mood de jour XXVII

Notiz für meine lesende Frau

Du liest und bist nicht bei mir,
sondern überall und nirgends ,
im Buch, dessen Lektüre deinen Atem beschleunigt,
kracht gerade ein Meteorit auf die Erde,
oder ein Boot havariert vor dem Kap der guten Hoffnung,
jedenfalls grummelt es mächtig in deinem Bauch,
etwas bricht sich Bahn, ruft sich in Erinnerung,
ich schaue dich an, Du lächelst,
und schon tollen Schmetterlinge in meinem Bauch, ja wirklich,
auch wenn es kitschig klingt,
es tollen Schmetterlinge in meinem Bauch,
wenn Du mich anlächelst,
und jede Pore meiner Haut will zu dir,
ich lauere auf einen Moment der Zerstreutheit,
in dem Du von den Zeilen abschweifst,
das Buch niederlegst,
aufschaust und mich wahrnimmst,
mich für wahr nimmst,
und wir uns auf ein Gespräch einlassen,
oder unsere Hände auf Wanderschaft schicken,
denn das Wichtigste ist,
dass wir uns nicht aus dem Sinn verlieren,
bis es uns die Sprache verschlägt
und unsere Körper, vom Glück ermüdet, in einen Schlaf fallen,
in dem jeder für sich unter seinen Lidern träumt,
und zurück bleiben diese hundertachtzig Worte,
die darauf warten, gelesen zu werden

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