Short cuts XLIV

Das Hoch Odilo mit seinem markant schönen und trockenen Wetter macht alles leichter, selbst wenn der HAMMER auf mich niederfährt und mich zwingt, vornehmlich in meinen vier Wänden zu hocken. Doch die wenigen erlaubten Gänge ins Freie gewähren mir an der Hand meiner Liebsten wohlige Frischluftkuren im Grünen und den Blick in ein gleichmütig heiteres Himmelsblau. Allein, der nun begonnene TANZ will mir nicht recht behagen. Warum gleich wieder aufs Ganze gehen und die Kontakthöfe füllen? Ich lass es sein, halte weiter Abstand, bleibe den Konsummeilen fern und genieße froh, was ich nicht haben kann. Ich trauere schon jetzt diesem DisTänzeln nach, mit dem wir unsere Artgenossen hakenschlagend umgehen sollen. Es ist die Unterbrechung, die das Bild schafft, es ist die Störung, die den Kontakt bewusst macht, wenn auch als Verlust. Was anfangen mit einem Verlust? Ihn rückgängig machen, ihn verarbeiten, ihn aufklären, ihn betrauern, ihn teilen, ihn ‚runterschlucken’, ihn kompensieren, einen Schuldigen finden, ihn vergessen, über ihn lachen, nach vorne schauen, seine Umwelt durch ‚Untröstlichkeit’ belasten, oder um Trost bitten, vom Glauben abfallen oder ihn erst finden, sich ‚das Hirn zermartern’. Verlust ist vieles, nicht zuletzt auch Motor einer Erzählmaschine.(Georg Seeßlen) Also: Was uns jetzt abgeht, muss ja nicht verloren sein, womöglich befindet es sich nur in einem Entwicklerbad. Bei der ReUnion nehmen wir es wieder auf, nur eben anders. Und dann fangen wir zu erzählen an.

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Mammal hands

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Fotografia metafisica

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Tranches de vie XXIII

Ich ahne, dass es sinnlos ist weiterzugehen. Niemand kreuzt meinen Weg, kein Laut erreicht mich, kein Blick, den man tauschen kann, leere Kulissen allerorten, wie ausgestorben die Straßen und Plätze. Es ist fatal, alles könnte hier enden -, doch plötzlich höre ich etwas, das einem Schnippen mit den Fingern gleicht. Und dann nochmal und nochmal, und mit einem Schlag ist es laut und wuselig um mich. Ich komme kaum vorwärts, überall Leiber und Stimmen, Gerüche, Töne und fiebrige Glieder. Fast werde ich zerquetscht. Alle scheinen in Aufruhr geraten zu sein, niemanden hält es an seinem Platz, der Aufbruch ist nicht zu stoppen. Ich werde gedrückt und in wechselnde Richtungen geschoben. Wäre ich ein Frotteur, käme ich voll auf meine Kosten. Bin ich aber nicht, mir sind Friktionen in der Öffentlichkeit eher unangenehm. Auf einmal spüre ich, wie mich eine Hand an der Schulter ergreift. Ich dulde es, da ich merke, wie mich jemand vorsichtig durch die chaotisch wogende Masse zu bugsieren versucht. Das Licht nimmt ab, bis es ganz dunkel ist und ich mich in einem Innenraum befinde. Mein Retter ist verschwunden und ich stoße an etwas Weiches. Ich ertaste einen Sofabezug und setze mich erleichtert hin. Es ist nur noch dumpf pochender Lärm in der Ferne zu hören, dann ist es still. Ich lehne mich zurück, bin erleichtert und schließe die Augen, um mich dem Schlaf anzuvertrauen. Irgendwann werde ich von einem neuerlichen Schnippen geweckt. Es ist immer noch dunkel, ein schwacher Lichtschein weist mir den Weg, dem ich folge, bis eine Tür sich öffnen lässt und ich durch sie hindurch ins Freie trete. Doch was ist geschehen? Bin ich auf einer Mottoparty gelandet? Überall sind Menschen mit Masken zu sehen, die sie über Mund und Nase tragen. In vielerlei Farben, mal mit lustigen Mustern, mal mit apotropäischen Motiven. Die meisten zeigen ein Smiley, welches das verhüllte, echte Lächeln wohl ersetzen soll. Ich schließe mich ihnen an, doch alle weichen mir aus, keiner begegnet mir mit offenem Blick, alle wenden sich ab und gehen auf Distanz. Keine noch so freundliche Geste wird erwidert, kein Ton findet ein Echo, keine Berührung ist erwünscht. Ich bin mit meinem unverstellten Gesicht mitten in dieser den Abstand zelebrierenden Masse einsamer denn je und hoffe inständig auf ein markantes Schnippen. Ein Cut muss her, doch nichts passiert. Dafür nimmt ein Nuscheln überhand. Es wird immer lauter und überrollt mich, ein Nuscheln, das nur mich zu betreffen scheint, ein Nuscheln, durch dass ich veranlasst werde, zu fliehen. Flugs nehme ich die Beine in die Hände und schieße wie ein Slalomfahrer durch die Menge. Bald schon erreiche ich eine plane, menschenleere Fläche, auf der eine hohe Felsnadel aufragt. Beim Besteigen habe ich das Gefühl, eine Ewigkeit zu brauchen, um endlich oben anzugelangen. Dann aber nehme ich auf einer Art Kanzel Platz, atme durch und genieße die ungeheuerliche Ruhe, die über der Ebene liegt. Die Luft riecht nach Sonne, ihre Wärme beglückt mich, und am Horizont sehe ich kleine schwarze Figuren, die wie Trabanten um etwas Kranzförmiges kreisen. Es ist jene Menge von nuschelnden Munasken, vor der ich fliehen musste, und so bin ich froh, weit von diesem, allem Anschein nach rituellen Geschehen entfernt zu sein. Auch nehme ich wahr, dass sich die Masse nicht vom Fleck bewegt, so dass ich mich wohl in Sicherheit wähnen darf. Aber wovon soll ich leben, hier auf dem Ausguck? Es bleiben mir nichts als Fern-Beziehungen, Augen-Blicke und Kopf-Reisen, doch ist deren Kalorienwert zu niedrig, um mich zu ernähren. Und kein Herr in Sicht, der Manna vom Himmel auf seinen Styliten regnen lassen könnte. Es ist abzusehen, dass ich meinen Felsen wieder verlassen und unter Leute gehen muss. Beobachten und Eindrücke speichern, schön und gut, aber auf Dauer fehlt das Geheimnis der Nähe, welches inmitten von anderen entsteht. Und so steige ich behutsam ab, komme auf der Erde an, taumle eine kurze Weile und bekomme langsam wieder Bodenhaftung. Da ich auf Beistand von Oben oder Unten nicht mehr hoffen kann, schnippe ich selbst mit den Fingern, aber nichts tut sich. Ich wiederhole mein Schnippen, diesmal gelingt mir ein regelrechter Knall, und was soll ich sagen, was kann ich schreiben? Nur dies: Ein lauer Wind liebkost meine hohe Stirn und die altvertraute Welt ist wieder da. Der Reigen könnte von neuem beginnen. Es liegt allein an mir. Auf mein Schnippen kommt es an, zumindest hier, zwischen und in den Zeilen dieses Textes.

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The bat in all of us

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Deep Lee

R.I.P. Lee Konitz 1927-2020

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Mood de jour XV

Komma, mir werden gerade meine Ohren mit Tönen aus dem Großen Graben geflutet, nun komm schon, sonst sind sie weg, verschwunden durch den Hohlweg am Ende der Straße, wo die Häuser stehen, die von Leuten bewohnt werden, ohne dass sie es je gewollt hätten, komma, das könnte dich reizen, denn es ist ein Ort für solche, die keine Ahnung mehr haben, wie sie ihr Leben fristen sollen, die sich verloren haben, und jetzt hocken sie auf Stühlen und in Wolldecken gehüllt vor den Fenstern, hören in der Ferne die Töne, die auch mich ausfüllen, doch sie nehmen nichts mehr wahr, dösen nur, komma, sieh dir das an, wie sie schlafen, hin und wieder aufwachen und nach draußen schauen ohne zu sehen, wieder einnicken, vielleicht träumen, von Dingen und Ereignissen, die sie sich selbst vorenthielten, da ihre Wünsche und Gedanken von dem, was ihnen im Leben einmal passieren sollte, nur auf Sparflamme züngelten, und jetzt, es ist kaum zu glauben, erscheint eine junge Frau, komma, die musst DU registrieren, eine grazile Gestalt, ganz in schwarz gewandet, mit einem bleichen Mondgesicht und grellroten Lippen, komma zu mir, noch näher, ja, so ist es gut, jetzt liegen wir passgenau ineinander, zweieinig wie in unseren besten Traumzeiten, und sieh mal, wie sie auf uns zukommt, uns berührt und sanft eindringt, um in uns zu bleiben, spüre den leichten Druck, mit dem sie sich auf einem hübschen kleinen Sofa in unserer Brust ausbreitet, wo die Lampen gelblich schimmern und der Boden ausgelegt ist mit dicken Fellen, dort ruht sie jetzt und schmunzelt ins Leere unseres Rippenraums, kannst DU es fühlen, wie sie sich räkelt und immer schläfriger wird und wir sie zudecken müssen, damit sie nicht friert, ja, so könnte es gehen, mit ihr und uns, das wäre beileibe eine Gastfreundschaft in unserem Sinne, doch ihr kommen ernste Bedenken, so abgeschirmt von jeglicher Außenwelt, und so erhebt sie sich, wirft das Sofa um, öffnet unsere Brust, verlässt uns, geht an uns vorüber und setzt ein Geschäftslächeln auf, mit dem sie uns abspeist, und schon platzen wir auseinander, stehen wieder getrennt an der Ecke, wo der Große Graben beginnt, die Töne sind immer noch da, sirenengleich locken sie mich erneut, DU aber schleichst davon, ich bleibe zurück und merke, wie mich etwas zieht, ich rufe Dir nach, komma, komma, hier geschieht mehr, doch DU bist auf und davon, und jetzt reißt es an mir, jeder Widerstand ist zwecklos, und so lasse ich mich gehen und lande in Null Komma nichts auf einem Platz, wo mich ein Denkmal mit der Inschrift begrüßt: LETZTE CHANCE, die ich gerne nutzen will, da es sich um ein in Bronze gegossenen Sprungturm handelt, einen, wie ich ihn aus Bädern kenne, aber noch nie ausprobiert habe, also steige ich die ewig lange Treppe hinauf, mit jeder Stufe wird mir mulmiger, doch ich verliere den Mut nicht, denn hier, an diesem besonderen Ort, muss mir doch alles möglich sein, und so erreiche ich die Plattform mit dem Geländer, gehe auf dem Brett vor bis zur Spitze, stehe ruhig, richte mich aus, genieße die Rundumsicht, warte und warte auf das, was eintreffen mag, doch es geschieht nichts, unterdessen verlässt das Blut mein Hirn, meine Glieder erschlaffen zusehends, und dann falle, nein: segle ich durch die warme Luft, durchstoße die Wolken, lasse alles unter mir vorüberziehen, murmle leise Adieus, gleite dahin, während meine Sinne sich öffnen und mein Körper seine Kräfte wiederfindet, verliere irgendwann langsam an Höhe, Streife einige Baumwipfel und lande gekonnt auf einer Waldlichtung mit einem kleinen Häuschen, auf dessen Veranda DU in einem Schaukelstuhl sitzt und mir zuwinkst, weshalb ich mich freudig aufrichte, schüttle und dir zurufe: Ich war gerade in der Gegend und dachte mir, ich sehe mal auf einen Sprung vorbei, und so stehe ich hier, vor dir, und DU umarmst mich und bittest mich mit den Worten rein: Na, dann komma!

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Balance

Porto

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Isolation

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Lazy Sunday

Essen
Trinken
Lesen
Schreiben
Dösen
Musikhören
Spazieren
Vögeln
nachsehen

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