COURAGE

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Tranches de vie XXIV

Dort im Garten, eine Schönheit mit schwarzer Mähne, makellos das Gesicht, die Haut noch winterbleich. Ein Riemen aus hellem Stoff, gespannt überm Schlüsselbein, zieht meinen Blick an. Eine leichte Schwermut befällt mich beim Schauen unter einem hellen Blaulichthimmel, in dem verschwindend kleine Wolkenhaufen treiben. In der Schläferlandschaft der Siesta treffe ich sie wieder, als ich die Eremitage eines Traums durchschreite. Was kann ich sehen mit gesenkten Lidern? Nur das in Halbtönen changierende Inkarnat eines Leibes, der in einem träge strömenden Fluss seine Glieder nässt. Nach dem Erwachen platzen alle Termine und ich zehre von den Knutschflecken, die mir von dem Stelldichein geblieben sind. Beim Zusammenlegen der Wäsche lese ich „Justdoit!“ auf einem T-Shirt und werde daran erinnert, auch etwas zu tun. Doch was und weshalb überhaupt? Mir fällt nichts ein, und so will ich weiter drauflos leben und nebenher meine Skizzen absondern, die kaum ein Mensch liest. Ich horte im Stillen einen Schatz digitaler Schaumkrönchen, der mir vielleicht hilft, die verrinnende Zeit hinzunehmen. Draußen schleiche ich in den Straßen herum, durchlässig allein fürs Vergehen sehe ich nur den Abbruch allerorten, und einzig der sanfte Nachdruck des Sonnenlichts lässt mich, obzwar unfasslich langsam, morgens aus dem Bett aufstehen und den Tag mit Streunen verbringen, bis auch dieser Faden reißt. Jenseits der Spiellinie hänge ich später in den Seilen und lese vom Liegen in flirrender Hitze, an einem Strand, wo selbst die Wellen sich zurückzuhalten scheinen, so umfassend ist die Windstille. Am Abend erzähle ich der Liebsten von einem radelnden Vater, der seinen kleinen Sohn im Kindersitz dabei hatte. An einer Ampel hielt er an und ließ aus dem Handy in Endlosschleife diesen Refrain ins Blaue dudeln: Always look on the bright side of life. Seitdem haben wir einen Ohrwurm, den wir singend und pfeifend hegen und pflegen, auch und gerade, wenn wir auf den „Knorpeln des Lebens kauen“. Die Nachbarn danken es uns mit Applaus, ein kleines Quantum Glanz in dürftigen Zeiten. So fliehen die Tage dahin.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Das Phantom

im Spiegel

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Meditation

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

ZU

Fritsch@work

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Short cuts XLIV

Das Hoch Odilo mit seinem markant schönen und trockenen Wetter macht alles leichter, selbst wenn der HAMMER auf mich niederfährt und mich zwingt, vornehmlich in meinen vier Wänden zu hocken. Doch die wenigen erlaubten Gänge ins Freie gewähren mir an der Hand meiner Liebsten wohlige Frischluftkuren im Grünen und den Blick in ein gleichmütig heiteres Himmelsblau. Allein, der nun begonnene TANZ will mir nicht recht behagen. Warum gleich wieder aufs Ganze gehen und die Kontakthöfe füllen? Ich lass es sein, halte weiter Abstand, bleibe den Konsummeilen fern und genieße froh, was ich nicht haben kann. Ich trauere schon jetzt diesem DisTänzeln nach, mit dem wir unsere Artgenossen hakenschlagend umgehen sollen. Es ist die Unterbrechung, die das Bild schafft, es ist die Störung, die den Kontakt bewusst macht, wenn auch als Verlust. Was anfangen mit einem Verlust? Ihn rückgängig machen, ihn verarbeiten, ihn aufklären, ihn betrauern, ihn teilen, ihn ‚runterschlucken’, ihn kompensieren, einen Schuldigen finden, ihn vergessen, über ihn lachen, nach vorne schauen, seine Umwelt durch ‚Untröstlichkeit’ belasten, oder um Trost bitten, vom Glauben abfallen oder ihn erst finden, sich ‚das Hirn zermartern’. Verlust ist vieles, nicht zuletzt auch Motor einer Erzählmaschine.(Georg Seeßlen) Also: Was uns jetzt abgeht, muss ja nicht verloren sein, womöglich befindet es sich nur in einem Entwicklerbad. Bei der ReUnion nehmen wir es wieder auf, nur eben anders. Und dann fangen wir zu erzählen an.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Mammal hands

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Fotografia metafisica

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Tranches de vie XXIII

Ich ahne, dass es sinnlos ist weiterzugehen. Niemand kreuzt meinen Weg, kein Laut erreicht mich, kein Blick, den man tauschen kann, leere Kulissen allerorten, wie ausgestorben die Straßen und Plätze. Es ist fatal, alles könnte hier enden -, doch plötzlich höre ich etwas, das einem Schnippen mit den Fingern gleicht. Und dann nochmal und nochmal, und mit einem Schlag ist es laut und wuselig um mich. Ich komme kaum vorwärts, überall Leiber und Stimmen, Gerüche, Töne und fiebrige Glieder. Fast werde ich zerquetscht. Alle scheinen in Aufruhr geraten zu sein, niemanden hält es an seinem Platz, der Aufbruch ist nicht zu stoppen. Ich werde gedrückt und in wechselnde Richtungen geschoben. Wäre ich ein Frotteur, käme ich voll auf meine Kosten. Bin ich aber nicht, mir sind Friktionen in der Öffentlichkeit eher unangenehm. Auf einmal spüre ich, wie mich eine Hand an der Schulter ergreift. Ich dulde es, da ich merke, wie mich jemand vorsichtig durch die chaotisch wogende Masse zu bugsieren versucht. Das Licht nimmt ab, bis es ganz dunkel ist und ich mich in einem Innenraum befinde. Mein Retter ist verschwunden und ich stoße an etwas Weiches. Ich ertaste einen Sofabezug und setze mich erleichtert hin. Es ist nur noch dumpf pochender Lärm in der Ferne zu hören, dann ist es still. Ich lehne mich zurück, bin erleichtert und schließe die Augen, um mich dem Schlaf anzuvertrauen. Irgendwann werde ich von einem neuerlichen Schnippen geweckt. Es ist immer noch dunkel, ein schwacher Lichtschein weist mir den Weg, dem ich folge, bis eine Tür sich öffnen lässt und ich durch sie hindurch ins Freie trete. Doch was ist geschehen? Bin ich auf einer Mottoparty gelandet? Überall sind Menschen mit Masken zu sehen, die sie über Mund und Nase tragen. In vielerlei Farben, mal mit lustigen Mustern, mal mit apotropäischen Motiven. Die meisten zeigen ein Smiley, welches das verhüllte, echte Lächeln wohl ersetzen soll. Ich schließe mich ihnen an, doch alle weichen mir aus, keiner begegnet mir mit offenem Blick, alle wenden sich ab und gehen auf Distanz. Keine noch so freundliche Geste wird erwidert, kein Ton findet ein Echo, keine Berührung ist erwünscht. Ich bin mit meinem unverstellten Gesicht mitten in dieser den Abstand zelebrierenden Masse einsamer denn je und hoffe inständig auf ein markantes Schnippen. Ein Cut muss her, doch nichts passiert. Dafür nimmt ein Nuscheln überhand. Es wird immer lauter und überrollt mich, ein Nuscheln, das nur mich zu betreffen scheint, ein Nuscheln, durch dass ich veranlasst werde, zu fliehen. Flugs nehme ich die Beine in die Hände und schieße wie ein Slalomfahrer durch die Menge. Bald schon erreiche ich eine plane, menschenleere Fläche, auf der eine hohe Felsnadel aufragt. Beim Besteigen habe ich das Gefühl, eine Ewigkeit zu brauchen, um endlich oben anzugelangen. Dann aber nehme ich auf einer Art Kanzel Platz, atme durch und genieße die ungeheuerliche Ruhe, die über der Ebene liegt. Die Luft riecht nach Sonne, ihre Wärme beglückt mich, und am Horizont sehe ich kleine schwarze Figuren, die wie Trabanten um etwas Kranzförmiges kreisen. Es ist jene Menge von nuschelnden Munasken, vor der ich fliehen musste, und so bin ich froh, weit von diesem, allem Anschein nach rituellen Geschehen entfernt zu sein. Auch nehme ich wahr, dass sich die Masse nicht vom Fleck bewegt, so dass ich mich wohl in Sicherheit wähnen darf. Aber wovon soll ich leben, hier auf dem Ausguck? Es bleiben mir nichts als Fern-Beziehungen, Augen-Blicke und Kopf-Reisen, doch ist deren Kalorienwert zu niedrig, um mich zu ernähren. Und kein Herr in Sicht, der Manna vom Himmel auf seinen Styliten regnen lassen könnte. Es ist abzusehen, dass ich meinen Felsen wieder verlassen und unter Leute gehen muss. Beobachten und Eindrücke speichern, schön und gut, aber auf Dauer fehlt das Geheimnis der Nähe, welches inmitten von anderen entsteht. Und so steige ich behutsam ab, komme auf der Erde an, taumle eine kurze Weile und bekomme langsam wieder Bodenhaftung. Da ich auf Beistand von Oben oder Unten nicht mehr hoffen kann, schnippe ich selbst mit den Fingern, aber nichts tut sich. Ich wiederhole mein Schnippen, diesmal gelingt mir ein regelrechter Knall, und was soll ich sagen, was kann ich schreiben? Nur dies: Ein lauer Wind liebkost meine hohe Stirn und die altvertraute Welt ist wieder da. Der Reigen könnte von neuem beginnen. Es liegt allein an mir. Auf mein Schnippen kommt es an, zumindest hier, zwischen und in den Zeilen dieses Textes.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

The bat in all of us

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare