Mood de jour XI

Was für ein trübes Licht am Morgen: DU bist weg und alles wird eng. Dein Lippenstift auf meinen Lippen, noch Stunden nach unserem letzten Kuss. Krähen krächzen, der Verkehr rauscht, die Blätter glühen sanft im Dämmer. Ich weiß nicht wohin mit mir ohne dich. Später stolpere ich über das Wort Stampede, schlage nach: unvermittelte Fluchtbewegung – Volltreffer, dann bin ich meistens mitten in einer Stampede. Während der Siesta erwache ich mit Harndrang. Auf dem Weg zum stillen Ort komme ich in einen Raum, den ich nicht verlassen will, etwas in mir sträubt sich, und so trete ich in ein tiefes Schwarz. Nichts ist zu sehen, auch kein Laut zu hören, eine stockdunkle Stille, die mich umfängt. Mein Körper wird leichter und leichter und plötzlich berühren mich Federn. Furchtlos schwebe ich im Leeren, ein sanfter Lufthauch zieht über meine Haut, auf der ich einen Druck spüre, der immer stärker wird, anschwellender, und ich sehe, wie sich ein klitzekleiner, milchiger Lichtfleck bildet, der sich ausbreitet und mich in eine wirbelnde Erregung versetzt. Ein Sausen und Sauen geht in ein Lösen über, durch das ich zu mir komme. Ich sitze auf der Klomuschel, doch der Strahl bleibt aus. Ein mattes Warten überfällt mich, in dem ich Reflexionen hege, die mich schlecht aussehen lassen, denn ohne dich fallen nur Ängste über mich her. Wie herauskommen aus diesem trüben Tag? Ich greife zu einem Buch und lese dort: „Er hatte schon oft so in die Scheibe eines Zuges geschaut, und fast immer hatte ihn dabei eine seltsame Melancholie ergriffen.“ Im Niemandsland der Deutungen und Assoziationen. Am frühen Abend atme ich auf: DU kommst zurück, endlich.

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Short cuts XXXIX

Gestern wurde die junge Praktikantin in einer Bäckerei von einer Vollzeitkraft darüber belehrt, dass ein Fünfzigeuroschein mit einem Stift auf seine Echtheit zu prüfen sei, und wenn der gezogene Strich schwarz würde, dürfte sie den Schein nicht annehmen, worauf ich schüchtern fragte, ob denn der von mir zur Bezahlung überreichte Schein gültig sei, worauf die Belehrende prompt antwortete: „Da haben Sie gute Arbeit geleistet“. Dies nötigte mir ein Lächeln ab und ich hatte den rettenden Gedanken, mit dieser „guten Arbeit“ mein Tagessoll an Tüchtigkeit schon erbracht zu haben. Den Rest der sonnensatten Stunden wollte ich in wohliger Untätigkeit verbringen, was ich dann auch tat, nein: mit mir geschehen ließ. Im abnehmenden Licht der Dämmerung kam eine kühle Luft mich an, die Finger und die Nasenspitze wurden kalt, doch ich harrte aus und tauchte ein in Sätze, die ein Leben vorgaukelten, voller Hingabe und ohne Vorbehalte, ein Leben, wie es nur im Buche stehen kann.

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Sugar Daddy

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Tranches de vie XX

Ich stecke mal wieder in Verhandlungen mit meinem IS, ob und wann Marika flach gelegt werden soll. Noch steht sie als eine in sich gekehrte Muse in der Ecke. In ihrem Blau liegen Versprechen und Nötigung täuschend echt beieinander, und ihr stummes Werben entlockt dem Zögernden die ersten Schritte in ihre Richtung. Noch liegen Welten zwischen ihnen, doch bald könnten sie auf dem Boden im Stellungsspiel der Dehnungen und Streckungen ihre Glieder ineinander verschlingen. Aber der IS übt weiter seine verheerende Macht der Demotivation aus, unterdrückt jede Regung, jede Muskelzuckung und lähmt die Entschlusskraft. Noch liege ich nicht auf ihr und übe meinen Körper in schmerzlustvollen Bewegungen, die nichts als die eigene Verausgabung wollen müssen. Es ist ein Patt: sie, eingerollt und voller Erwartung, ich, gebremst und zugleich gebannt, und der IS, wie immer im Vollbesitz seiner verhindernden Kräfte. Noch gibt sie sich nicht hin, noch lösen sich nicht meine Glieder, noch lässt der IS mich und uns nicht gewähren, noch herrscht die pure Unentschiedenheit, und diese kommt dem eitlen Genuss des Schreibenden entgegen, der für dieses Pari Worte verliert, ohne ihnen Taten folgen zu lassen. Das wäre ja auch zu einfach und mitnichten mitteilenswert, erst die Spannung des Für und Wider und das Still-Leben streitender Impulse fordert das Ausdrucksvermögen heraus und lässt diese Zeilen hier entstehen. Das Noch-Nicht, die Fermate im Zeit- und Handlungsfluss, nötigt zum Schreiben, alles andere wären nur Vollzugsmeldungen. Im Zögern und Zaudern nistet das Surplus der Imagination. Und so bleibt Marika heute morgen ohne Einsatz. Der IS hat gesiegt: scrivo, non vivo!

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Tension

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Postcard

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Hutverkäuferin

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„Oh, dies wird wieder ein glücklicher Tag gewesen sein! Trotz allem. Bislang.“

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Appetizer: Uwe Heckmann / Bilder aus der Provinz & Florian Fritsch / Cityscapes

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Ausstellungsankündigung

Liebe Freunde der ZustandsZone, 
wir freuen uns auf die 1. Ausstellung zu unserem Ausstellungsprojekt LANDSTADT 2019-2020 mit
Uwe Heckmann und Florian Fritsch,  
Bilder aus der Provinz – Cityscapes 
Fotografie
Zur Eröffnung am Samstag, den 10. August 2019 ab 15.00 – ca. 20.00 Uhr 
laden wir euch hiermit herzlich ein.
Einleitung: Dr. Ulrike Müller-Heckmann

Gerne auch zum weitersagen.
 
Ausstellung vom 10.08 bis 07.09.2019
Wo:ZustandsZone, Elbstraße 75 * 21481 Lauenburg/Elbe – Metropolregion Hamburg
Infos zu den Fotografen:
www.spazierensehen.de
 www.hobokollektiv.net
Seid dabei – wir freuen uns auf euren Besuch!
Schöne Grüße
Carsten
ZustandsZone
Non-Profit Galerie-Projekt-Zwischenraum von Carsten Uhlig
Elbstraße 75, in Lauenburg/Elbe
T. 0160 931 48 509
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