Extemporalien in Dosen oder: Schreiben aufs Geratewohl

Ich saß coronahalber auf meinen vier Buchstaben und ging in meinem Kopf fremd. Dort erschienen mir Sätze, die sich unaufgefordert vermehrten. Ich gab ihnen Nummern und doste sie ein

Dosis VIII

71 Ein Tausendsassa bietet seine Petitessen feil und wundert sich, dass niemand Bescheid weiß. Ohnehin werden die Damen und Herren gleich ins Wochenende entlassen, um schlafend ihre Lider zu schönen. Keinen blassen Dunst haben die Nachbarn, die sich ins schattige Kerbholz zurückziehen. Bündig am Rande des Wahns liegt ein Meilenstein und leuchtet in den angeschlagenen Himmel. Trotz allem grüßt die helle Freude den letzten Gast der Lebenswandelbar

72 Schau den Tag an, wie er hin und her wackelt, der Po da hinten, megageil, gerade jetzt, wo mich Lärm drangsaliert und ich liebend gern in aller Stille und ohne Hast einen Salat mit gegrillten Pornostreifen zu mir nehmen würde. Dann, schwerkraftmindernd wie das Lesen eines Märchens, hüpfen Vögel durch die Gegend. Ich schenke mir den Rest des Tages und gehe rubbeln

73 Ich erinnere mich an gestern, als ich vor lauter Rabengekrächz kaum einen anderen Ton vernahm und die Spur verlor, der ich schon lange nachging, ohne zu wissen, wer sie hinterlassen hat. Ich bog weiter um Ecken und Kanten, büßte jede Pose ein, bis plakatierte Missverständnisse mich vom Deuten erlösten. Aber ein Haken blieb zurück

74 Wohin die Blässe des Tages geht, willst du wissen? Nun, sie nickt ein, gleich neben dem Eimer mit dem Trockeneis, das ich der florierenden Nacht zur Verfügung stelle, damit nicht alles so bleibt wie es nie werden sollte. Die Lizenz zum Trösten flattert im Wind

75 Vielleicht kommt noch was Besseres, später. Bis dahin schlendere ich auf der Kurpromenade umher, allein, in trockener Hitze. Nur die Lakonie hinter den genossenen Bieren kann mich retten

76 Ich verschwitze heute, was ich gestern las, und doch fliegt mir manches Herz aus dem Himmel zu, dessen Blau eine gute Fahrt verspricht. Eine rätselvolle Gunst

77 Ein fliegender Schatten, eine Amsel im Hof. Droht mir der Atem zu stocken? Nein, nur zum Rand der Stunde muss ich gehen, um dort rumzulöffeln wie die Liebenden bei Nacht

78 Ihr brauner Körper, glatt und wohlgeformt, liegt lässig hingegossen wie eine Odaliske im Schatten der Birke auf einer Matte, ab und zu zieht ein Zittern über ihre Haut, während sie Kontaktanzeigen liest. Dann eine scharfe Linkskurve und schon landet ein Teil von mir da, wo ihre Brüste brüten, mit denen zu spaßen ich mich nicht erdreiste. Somit konnte auch der friedlich klarblaue und hocherhabene Himmel nicht umhin, unserem Beieinander seinen Segen zu erteilen

79 Matthes, du sektenreiner Cop, streue dein Obst auf die Wiese der Zuverlässigkeit, sonst springt der vergessene Teenie vom Gerüst und weist alle Vorwürfe mit Entschiedenheit zurück. Der Springbrunnen wird schon nicht ins Unermessliche wachsen

80 Ab und an kehrt sich das Licht um, und nur dann ist es möglich, dass die blanken Schenkel ihre blassgrünen Feilchen zeigen, ohne die das Foto keine Abnehmer finden würde. Im Nachhinein wussten es alle, doch niemand hat die Zeichen zu lesen gewusst

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