Däbsch

im Kopp. Kaum ein Hauch, geschweige denn Wind ist zu spüren. Kein kühles Fleckchen mehr in der Wohnung. Einzig der Durchzug verschafft Linderung, die trügerisch ist, denn mit ihm kommt auch die Hitze in die Zimmer. Und der Staub, in dem ich eine Tropfspur nach der anderen hinterlasse.
Ich erledige mit Mühe den kleinen Alltag. Obst einkaufen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, den Abfall schnüren und runter bringen, die Treppe wieder hochgehen, hinlegen, ausruhen, irgendwie den Kopf beieinander halten oder doch lieber gleich die Augendeckel schließen und einnicken, auf dem Laken zerfließen, wieder aufstehen, mit dem neuesten Leporello der Kunsthalle sich ein wenig Luft zufächeln, Wäsche machen, das Abendessen vorbereiten, die Lieben empfangen, gemeinsam essen, spülen, und später auf dem Balkon das Abtauchen der Sonne mit einem kalten Rosé begrüßen.
Wenn ich so den Tag vertaumle, überkommt mich in der Dämmerung eine leise Panik, ob ich nicht etwas tun, planen oder überhaupt können sollen müsste, doch die Hitze lähmt mich, sie zerstreut jeden noch so kleinen Gedanken unauffindbar. So verludere ich die schwülichten Tage und verdöse die Zeit wie eine halbtote Fliege.
Für einen Temperatursturz würde ich einen Mord begehen, … oder lieber doch nicht.

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