Gesichtsverlust

Im Traum kann man nie wissen, wer einem von hinten auf die Schulter klopft. Ich drehe mich um und erkenne ihr Gesicht nicht auf Anhieb. Die Augen sind klein, die Nase platt, die Lippen mürbe, und doch blitzt etwas auf zwischen uns, eine Erinnerung. Jedenfalls zeige ich mich von meiner besseren Seite und spendiere ihr ein wenig Zeit. Sie willigt ein und wir gehen was trinken. Beim ersten Bier verfällt sie ins Reden über ihr tristes Leben. Ich weiß nichts zu erwidern, spare mir die Fragen und gebe ihr noch ein Bier aus. Als ich ihre schönen Hände streichle, werden ihre Züge entspannter. Ich schaue sie an und vergesse den Verfall, ignoriere die faltige Haut. Langsam wird sie friedlich. Ein letzter Drink noch, dann verlieren wir uns auf der Straße aus den Augen. Ich gehe drauflos und sinniere, doch an ihren Namen kann ich mich nicht erinnern.

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