Tranches de vie XXIX

Freude am Schreiben.
Möglichkeit des Erhaltens.
Rache der sterblichen Hand.

In mir herrscht ein Spuk grauer Bilder. Das trübe Wetter tut ein übriges, mich zu dämpfen. Noch dazu begleiten meine Nachbarn mit spitzen Schreien den Lärm der Schlagbohrer, welche den Bürgersteig malträtieren, um neue Kabel zu verlegen: Quick City. Ich gehe raus. Nach wenigen Stunden zeigt mir das Schwächeln meiner Beine, wie weit ich mich verlaufen habe. Zwischen den Kanälen und Wegen strande ich zu guter Letzt auf einer Brache. Dort treffe ich die Dämonen der Trägheit, die zwischen dem Müll als Bodenbrüter wachsen und sich selbst genügen. Das Licht verliert den Disput mit der Nacht. In völliger Dunkelheit schalte ich auf Autopilot und sinke auf eine elastische Schwelle am Boden. Was sich dann regt, entzieht sich meinen Sinnen. Ich falle ins Schwarz, und der Schlaf nimmt seinen Lauf. Als sich ein heller Ton in meine Ohren drängt, schaue ich auf. Der Staub leuchtet schwach, und ich höre in der Ferne launige Lieder, die den Gegenzauber eines neuen Tages auslösen. Wie ein Blaumann torkele ich von was auch immer milde beduselt umher. Die Sonne bescheint die offene Bühne der Straßen, wo die Fassaden und die ersten Passanten dem Frühlicht salutieren. Kühl streicht der Wind um meine Wangen. Dumpfe Orgeltöne wabern durch die Luft. Keine Stimmen, nur Laute sind zu vernehmen. Eine Amsel singt auf dem First, begleitet vom wilden Gezwitscher der Spatzen. Ich verharre auf dem Fleck und zücke mein Carnet, in das ich notieren will, was mich betrifft. Mit ihm habe ich vielleicht etwas in der Hand, um durch vergitterte Tage zu kommen. Ich lasse mich ohne Umschweife in die Wörter fallen, taste mich zögernd voran, streife an den Rändern entlang wie ein verwirrtes Labertier, schnuppere in die Ecken, fühle, ob der Boden stabil bleibt oder gleich wieder wankt, sich senkt oder hebt. Jenseits der Mauern des Verständnisses zittert der doppelte Zungenschlag, und hinter den Spiegeln halten sich unbekannte Silben bereit. Alles Fragen nach dem Wohin und zu welchem Ende bleibt einstweilen außen vor, um dort zu landen, wo ich noch nicht war. Und so schreibt es mich ins Blaue hinein.

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