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Die hier veröffentlichten Fotos entstehen allesamt beim Spazierengehen. Sie zeigen zufällig in mein Blickfeld geratene und mit der Kamera festgehaltene Motive. Es geht mir bei diesen Augenblicksaufnahmen um eine Zwiesprache mit dem Sichtbaren, in der etwas scheinbar Vertrautes und Alltägliches ins Befremdliche oder Überraschende kippen kann. Alle Besucher sind herzlich eingeladen, ihre eigene deutende Fantasie tätig werden zu lassen und die Fotos zu kommentieren.Kategorien
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Verlosung
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Unverlangt eingesandt – Heimatlose Notate XI
Ich, an meiner Stelle, hätte mich auch nicht wiedererkannt
Ein Gesicht wie ein abgeerntetes Stoppelfeld
Heute habe ich wieder nur Luftbuchungen getätigt
Ich bewege mich wie ein Raubtier im Streichelzoo
Ab jetzt habe ich ein Fällzeichen auf der Stirn
Ein Mund wie ein aufgebrochenes Siegel
Ich leide an schleichender Sommerresistenz
Eine rhetorische Spannbreite von Halts Maul bis Fick Dich
Durchdringendes Sirenengeheul zwischen blattlosen Bäumen im Park
Nach Wochen der Leere wechsele ich ins Innere der Stille
Im schönen Monat Mai treffe ich einen Lockvogel und käfige sie ein
Mit wenigen Ausfallschritten erreiche ich das üppige Gesträuch, das mich überwachsen soll
Ich bin ein einsamer Schnorrer fremder Erinnerungen
Von der Decke hängen die abgeschnittenen Gesprächsfäden der gestrigen Podiumsdiskussion
Ein Charakter wie ein verregneter Ferientag
Ich gehe aufs Dach, balanciere auf dem First, lutsche einen Drops und springe auf die Wolkenkommode
Ich erkläre die Stippvisiten in toten Winkeln zur Chefsache
Nach vielen schweren Jahren voller schöner Stunden erreichte ich endlich das volle Unvermögen meines Alters
Ein erlesener Brocken Freude fällt von mir ab, als ich mein Herzblatt in der Fremde weiß
Ich bleibe ab sofort bis zu meinem ultimo momento nur noch als Gerücht präsent
Ich zuckere meine Redensarten und schon wuseln die Schleckermäuler herbei
Geschwind verfalle ich dem angestammten Zögern, um fortan nie mehr woanders zu sein
Heute sehe ich nichts, nur die Regenpfützen, die mich anhimmeln
Das Licht spricht mich an wie ein Edikt für Ungläubige
Gestern habe ich mir die letzten noch verbliebenen Jugendflausen aus den grauen Haaren gekämmt
Eine Figur wie ein verwelktes Rosenbukett
Heute machte ich im Schuppen mit einem seekranken Mädchen klar Schiff
Eine Verschleierte hütet sich vor dem offenen Geheimnis ihres Lebens
Ihr Überbiss belegt täuschend echt, dass sie ihr Gesicht schlecht kuratiert hat
Ein junges Paar plantscht in aller Öffentlichkeit im Wechselbad ihrer lauwarmen Gefühle
Das Quietschen der Schaukeln taktet die akkurate Stille
Ich zahle die Zeche nicht, löffle auch nicht die Suppe aus, mache mich vielmehr auf die Socken, um meine Hände in Unschuld zu waschen
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… schleierhaft …
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Sternspucker
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Porträtbüste eines Misanthropen
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Was nichts heißen muss
Die Tage passieren Revue und keiner schaut hin, ich laboriere an diversen Wehwehchen, die mein dürftiges Los besiegeln.
Ich stehe vor MissEry und greife in eine Gewitterwolke aus wirrem Haar, doch das Überangebot ihrer Reize hindert mich am offenen Vollzug.
Mit dem Desaster im Schritt, liege ich in der Nacht, wenn es nieselt, bedröppelt da und schließe die roten Klüsen.
Gekonnt unauffällig verstecke ich fürderhin meine Asse und tue nur so, als ob mein verkanntes Gesicht zu mir gehört.
Mein Alltagsleben bewegt sich auf dem Abenteuerniveau eines Faultiers, doch manchmal bläst der Wind in mein Fell und ich mache einen Gedankensprung.
Gut, dass die Geschichten, an denen ich nicht teilnehme, sich im Dunst der Zeiten verflüchtigen, ohnehin bleiben mir genug marode Altlasten im Sinn.
Niemand kann oder will etwas anfangen mit meinen Worten, was nichts heißen muss: die Reanimation bleibt eben aus.
Scheiden tut weh
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Ohne Fremdeinwirkung – Heimatlose Notate X
Als ich dich zum ersten Mal sah, gingst du auf dem Kopf
Jetzt bist du hier und kannst dich degenerieren
Du sollst da sitzen bleiben! Wozu, sagt sich der Boxer und bespringt die Hundedame
Früher, hey, als wir noch Kinder waren, machten wir die Schotten dicht, um sie zu verführen
Gestern war ich doppelt vorhanden, so dass ich mir in den Straßen aus dem Weg gehen musste
Heute erwachte ich als Geige und wollte das Futteral nicht verlassen
Als ich um die Ecke biege, winkt mir der Arsch vom Dienst und ich löse mich aus dem Bild
Ich habe das Reden satt und gehe ins Summer Camp
Dein heiserer Sopran wackelt wie eine Schaumkrone auf meinem coolen Gestöhne
Abseitige Gedankengänge führen mich in ein Zimmer, in dem mir ein personalisierter Teppich das Motto des Tages anzeigt: Rechne mit allem ab
Auf verlorenem Posten nehme ich die seichte Tiwi-Kost eines bestürzend verquasten Dramoletts wie ein Narkotikum zu mir
Heute morgen ruhten meine Augen im Bett auf dem Buch, das neben mir auf dem Kissen lag und ich flüsterte ihm zu: Was für ein Glück, dass ich dich gefunden habe
Auf der Bilderflucht im Kino: Plötzlich verfiel ich der musisch motivierten Zerstreuung und konnte der Wirklichkeit für die Dauer eines Films ein Schnippchen schlagen
Immer ist zuviel Nähe zu bearbeiten, als dass eine Phantasie genährt werden könnte (Frank Böckelmann)
In deinen Augen explodiert mein bombiges Aussehen, und wenn ich dich liebe, liegt Schwefel in der Luft
Als Schaulüstling bin ich auf der Suche nach der Unabsehbarkeit des Gehens, der Offenheit der Begegnungen, der Traumreisen der Blicke, und als Ablichtungssüchtiger giere ich nach immer anderen Bildern
Mit dem Eifer eines Konvertiten vergöttere ich diese vor sich hin trippelnden Streuner, denen ich dicht auf den Versen folge, um sie Silbe für Silbe auswendig zu lernen
Man schreibt, wie man ist, und wie man ist, weiss man nicht, weil man sich nicht von aussen sieht
(Martin Mosebach)
Auf schwankendem Grund sitze ich an meinem Schreibtisch und notiere den Titel meiner Bummeleien: Sehmannslos
Weder Kapazitäten noch Kompetenzen – Heimatlose Notate IX
Eben platzte eine fiese Laune in mir wie eine Eiterblase auf
Heute machte der Himmel einen Aprilscherz und hinterließ mir seine Wolkendecke
Ein Paar liegt im Entendreck, bringt seine Liebe ums Eck, um danach wie Hunde nach einer Spur zu wittern
Ein Dachdecker besucht den Swingerclub, um alle Arten von Liebe zu testen
Wo die Fremde beginnt, fällt mir erst auf, als sie laut und deutlich Stopp sagt
Ich habe den Mut, mich der selbstverschuldeten Lückenhaftigkeit meines Gedächtnisses zu bedienen
Nothing Gold Can Stay
Nature’s first green is gold,
Her hardest hue to hold.
Her early leaf’s a flower;
But only so an hour.
Then leaf subsides to leaf.
So Eden sank to grief,
So dawn goes down to day.
Nothing gold can stay (Robert Frost)
Das Wühlen im dargebotenen Körperinneren verwirrte ihn, so dass der sexuelle Rausch wie auf einem Monitor in ein zuckendes Flimmern überging
Es gefällt mir, mich Dingen zuzuwenden, die sehr gewöhnlich sind und etwas in ihnen zu finden, das es nicht ist (Saul Leiter)
Vom Hafer gestochen erliegt ein Hüne der Versuchung, ein lyrisches Solorezital auf seiner singenden Säge zu beginnen, um die Hörer bei der Stange zu halten
Nur wer lebt wie in einem Wurzelwerk, kann eine kreative Existenz führen
Ein Brausen hebt an im Park, Böen zerzausen die Bäume, Vögel verstummen, das Licht nimmt ab, törichte Backfische kreischen, schon heulen Sirenen, ein Donner kracht, peitschender Regen setzt ein … windumtost trotte ich auf matschigen Wegen in einem mir unbekannten Plot, aber ich habe Glück, das Unwetter übergeht mich, einzig ein paar morsche Äste fallen mir vor die Füße
Im Hause des Herrn Fotografen gibt es viele Zimmer
Wenn Dinge mich nicht wirklich interessierten, tat ich nur so, als sei ich anwesend. In Wirklichkeit hatte ich längst damit abgeschlossen. In Wirklichkeit kauerte ich oben im Baum und intonierte den Schrei des Käuzchens: Sehnsucht. Aus dem Weg. Verpisst euch. Ich bin hier fertig (Glumm)
Blicke sind Lustspiele auf der Bühne der Phantasie
In Zukunft Spekuliereisen für Brille benutzen
Drei Anzeigen:
Holy Ghostwriter mit Galgenhumor gesucht
Beziehungskiste abzugeben
Kaufe Trophäen von Schürzenjägern
Draußen im Meer paarten sich zwei dunkelgrüne Schildkröten in den Wellen. Sie blieben ineinander verhakt, schaukelten träumerisch im Wasser, blinkten ab und zu im Glast (Lucia Berlin)
Lieber faul in der Sonne liegen als die bleiche Haut zu Markte zu tragen
Traumsatz: So lasst uns den Furz durch die Schlaufe ziehen
Im Schlagschatten der akademischen Bildung hockt die Muße und verdaut meine Prosamen
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Verschlagwortet mit Lazy Days / Daze Days, Notate
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