Experimente

im Lockdown VII (ANNO)

Noch müssen alle, die das Scharwenzeln wagen wollen, warten, sie müssen ihre jungen Triebe zähmen, die unter den Winterkleidern wie wilde Tiere hausen und darauf drängen, die Lippen voll explodierender Lust aufeinander zu drücken.

Doch soweit ist es beileibe noch nicht.

Es herrscht kein ziehendes Leuchten, vielmehr anhaltende Dürre. Abgeschlagen ist die Schönheit der Brücken, ihr Schwung verloren, und der rein aus der Erinnerung gemalte Schein des Früheren ist nur eine im fahlen Licht leerer Plätze liegende Staubfläche, in der keine Begegnung ihre Spur hinterlässt.

Wie zum Hohn ertönen die immergleichen Akkorde, die keiner mehr hören mag, und die einfallenden Nächte halten kein Palimpsest bereit für all jene, die ihren Kummer im Dunklen vergehen wollen, um nicht nochmal ihre altbekannte Arbeit von vorne beginnen zu müssen.

Doch alle sehnen sich danach, himmelweit reisen zu können an hoffentlich nicht mehr fernen Tagen, die bestimmt eintreten werden nach dieser stockenden Zeit, die, wie alles in dieser unserer Welt, auch irgendwann im Futur Zwei angekommen sein wird.

Und dann, dann darf es keine Grenzen des Erlaubten mehr geben, sondern nur den Rausch der zeugenden Nähe, und das, was gerade als Gegenwart sich zeigt, wird dereinst schlussendlich und unumkehrbar zum Anno dazumal geworden sein.

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Eine Antwort auf Experimente

  1. Francis Juif sagt:

    J’aime beaucoup ce texte que j’ai pu aborder avec l’aide de DeepL. Merci pour cette découverte de „Anno Dazumal“, dont le nom est très bien trouvé, „à cette fin“.

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