Regen, der auf Wellblech tropft – Heimatlose Notate I

Shirt: Die Realität ist für diejenigen, die ihre Träume nicht verwirklichen können

Bestechend schön, bisweilen betörend, so dass man alles, inklusive sich selbst, vergisst und für Momente allein im Blick zuhause ist

Mir gefällt nur der kahle Fleck auf ihrer Haut, direkt über ihrem Po, in Form eines Schmetterlings

Der ist so putzig, und zugleich der dümmste Hund im Großraum Baden

In Stundenmillimetern laufen sie aufeinander zu

Verleser: Linker Honig statt Imkerhonig

Zitat: Wachgeküsst von der Abrissbirne

Getrimmt von der Ehegeliebten wie ein Königspudel, nur am Gemächt herrscht noch Wildwuchs

Ich würde wohl,
doch es lohnt
nicht

Eine blütenreine Weste
im feuchten Kehricht

Ausrasten: österreichisches Wort für Entspannen

Sanft kullernde Tränen am nahen Weinberg

Das Ruheversprechen eines altrosa Tischtuchs

Das Blau des Himmels drischt meine schlechte Laune hinweg

Ohne dich würde ich aussteigen, und zu wissen, dass du da bist, in Reichweite und auf Sendung, reicht mir aus, um den Tag zu begehen

Ich habe
endlich
das Beste
hinter mir

Im Strudel der Sekunden beugen sich ratlos erstarrte Gesichter in nasse Fliederbüsche

Endlich rauscht es mächtig und der Regen stürzt herab auf alte Paare unter bunten Schirmen

Eine ausweglose Zeile, in die ich mich zurückziehe und einniste

Sich ehrlich beschweigen, im trägen Fluss der nichtssagenden Momente

Ein Versprechen von Olly:
Ich schrubbe Dich
nach Hausfrauenart

Der Trost der täglichen Selbstberührungen

Songzeile: Suspended in nostalgia

Banksprücheklopfer an der Alster:
Per Definition könnte man sagen, alles, was sich bewegt, lebt. Und was ist mit den ziehenden Wolken über uns am Himmel?
Am Oberrhein ist es so heiß, weil dort meist Windstille herrscht. Wisst Ihr das eigentlich?
Kennst Du die Neue Deutsche Welle? Was da drüben kopfunter im trüben Wasser schwimmt hat damit nichts zu tun. Das ist eine tote Ente, die sich in den Wellen wiegt

Vor dem Posten räkelt sich eine junge Schönheit, gelassen schaue ich vorbei

Er wird, nach selbstgemachter Qual, der Henker seines Lebens, das ohnehin wie ein Gesicht des Morgentraums entflieht

Dialogfetzen: Wir haben jetzt ein Enckelchen von zwei Jahren! Von dem da? Nee, der ist ein Blindgänger
Am Ostseestrand habe ich mal Kopfstand gemacht. Dreizehn Minuten. Die Leute blieben stehen und staunten

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The Future

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GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR EINEN DIESER TAGE

Also,

wenn deine Frau zur Arbeit gegangen ist, verschaffst du dir im Bad erstmal Erleichterung.

Dann legst du Marika flach und dehnst bei einer Französischen Suite deine Glieder.

Danach sitzt du auf der Loggia und trinkst in der Sonne Kaffee, schaust auf die Straße und bemitleidest die Köter, die ihre Tage winselnd am Ende einer Leine verbringen müssen.

Zur Entspannung surfst du frei nach Plan durchs Web und landest auf Sites, die dein Hirn mit versauten Dingen ablenken.

Du nimmst eine kalte Dusche und entschließt dich zu einem Gang.

Wenig später streunst du durch die Gegend, was die beste aller Arten ist, die Zeit zu verplempern.

Raus aus der Tür und vorbei an hüstelnden Nachbarn, die du verschämt grüßt, nimmst du nach wenigen Metern ein scharfkantiges Hacken-Klack-Klack hinter dir wahr und verlangsamst deine Schritte.

Eine junge Frau in Rot überholt dich, und du folgst ihr bis zu einer Ampel, um dort sekundenlang in ihrer Parfümwolke zu verharren.

Noch bevor die Ampel umspringt lässt du sie links liegen und kehrst ins Forum ein, kaufst eine neue Kladde und siehst in einem Tierfilm, der im Schaufenster eines TV-Ladens läuft, wie ein Gepard eine Gazelle reißt.

Die Eleganz des Tieres gefällt dir, seine zielsichere Sprungkraft deprimiert dich eher, weshalb du das Interesse verlierst und dich auf den Weg machst.

Draußen schaust du in vorbeieilende Leichenbittermienen, notierst dir erschöpfte Gestalten, die schwer atmend im Schatten auf Mülltonnen rasten, beobachtest Passanten, die unermüdlich ihren Kopf schütteln und vor sich hinfaseln, wunderst dich über gertenschlanke Mädchen in Shorts, die sinnbefreit in ihre Handys kreischen, und staunst zuletzt Kinder an, die sich über sanft treibende Taubenfedern in einer Regenlache freuen können.

Zuhause liest du ein oder zwei Poeme, um runterzukommen.

Dann wirst du müde und lässt dich fallen. Ohnehin ist es schon Abend.

Du trinkst noch ein Bier, und mit dem Gefühl, ziemlich heil durch den Tag gekommen zu sein, liegst du im Bett.

Das wird sicher keine schlimme Nacht, denkst du, und tauchst in den Schlaf ein.

Als letzte Meldungen entlässt Du einige Schnarcher in die Dunkelheit.

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Geflecht

Selbst

Die meisten Menschen haben den Mut, ihr Leben zu leben, aber nicht den Mut, sich ihr Leben vorzustellen.
(Jean-Luc Godard)

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Hecke

Es ist die Hölle, nichts zu tun zu haben, und erbärmlich ist es, etwas zu tun. Wenn wir innehalten im Tun, dann schweifen unsere Blicke ab, werden stumpf und leer, wir erschrecken, erblassen vor dem Nichts, in das sie gleiten, also halten wir uns fest an den winzigen Hälmchen unseres Alltags, am Fensterputzen und Einkaufen, am Briefeschreiben und Haarewaschen, wie entsetzlich die Leere, die Muße, die dahinter lauert, wir sehnen uns nach Tätigkeit, und sei sie noch so unsinnig, weil wir es nicht ertragen, in den Pausen, die dazwischen entstehen, unser Verglimmen zur Kenntnis zu nehmen.

(Matthias Zschokke, Der dicke Dichter)

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Verhangen

Im Traum ging ich so vor mich hin und schaute nach oben, dabei hoffte ich auf einen verlässlich blauen Himmel und dachte noch, dass es schön wäre, wenn in ihm kleinere Haufenwolken treiben würden und ein milder Wind ihren Zug vorantreibe, ich schaute also voller Zuversicht und im Vollbesitz meines Sehsinns nach oben und erschrak: Das Bild des Himmels, das sich mir zeigte, war unscharf, wie von einem blauen Schleier verhüllt. Zunächst glaubte ich, es läge an meinen Augen, rieb sie ein wenig und blickte wieder nach oben. Aber nein, die Unschärfe blieb. Es war, als ob ein feinmaschiges Netz gespannt worden war, das nun den Himmel bedeckte. Aber warum? Was sollte diese Vermummung? Schützte die Gaze mich oder den Himmel? Und vor was eigentlich? Ich trottete mit diesen unbeantworteten Fragen umher, bis ein Freund von hinten tönte: Gott ist ein Maskenbildner. Ein Lachen weckte mich auf.

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Bettstatt

Im Traum hatte ich Glück, denn ein Mörder verpasste mich, auch der Kampfhund von nebenan trottete an mir vorüber, ohne mich zu beachten, der Wahnsinn befiel andere, die gefährlichen Frauen ließen mich links liegen und ich blieb von Irren verschont, wurde weder vergewaltigt, ausgeraubt noch gefoltert oder überfahren, die Äxte in den Händen derer, die Übles wollten, blieben ungenutzt, und in der Frühe, noch im Halbschlaf, wurde ich unter einem Berg von weißen Decken mit großer Übersetzung vernascht. So war das.

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Traumfrau

Im Traum lächelte mich eine Frau an und fragte: Was tun Sie? Ich verliere Zeit, sagte ich. Ich bin ein Zeitverlierer, das ist meine Arbeit. Ich verschwende sie nicht, ich verliere sie einfach. Ich bin froh, wenn sie davon ist und warte, bis sich wieder genügend Zeit einfindet, die ich verlieren kann. Dieses Warten ist mein Tun. Ich legte die Arme um die Frau und küsste sie. Danach veränderte sich alles. Ich erwachte.

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Gesichtsverlust

Im Traum kann man nie wissen, wer einem von hinten auf die Schulter klopft. Ich drehe mich um und erkenne ihr Gesicht nicht auf Anhieb. Die Augen sind klein, die Nase platt, die Lippen mürbe, und doch blitzt etwas auf zwischen uns, eine Erinnerung. Jedenfalls zeige ich mich von meiner besseren Seite und spendiere ihr ein wenig Zeit. Sie willigt ein und wir gehen was trinken. Beim ersten Bier verfällt sie ins Reden über ihr tristes Leben. Ich weiß nichts zu erwidern, spare mir die Fragen und gebe ihr noch ein Bier aus. Als ich ihre schönen Hände streichle, werden ihre Züge entspannter. Ich schaue sie an und vergesse den Verfall, ignoriere die faltige Haut. Langsam wird sie friedlich. Ein letzter Drink noch, dann verlieren wir uns auf der Straße aus den Augen. Ich gehe drauflos und sinniere, doch an ihren Namen kann ich mich nicht erinnern.

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Gummi des Tages

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