Und es geht vorüber

Was für ein Morgen
am offenen Fenster:
luftiges Blau, fabelhaft
locker ziehende Wolken.
Kühle breitet sich aus
in den Räumen. Alles hat,
endlich, wieder ein Maß.
Die Knochen rüsten sich,
Bewegung scheint möglich.
Das ermattete Ich wagt
sich hinaus. So einfach
ist das. Und so klar
und einleuchtend.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Däbsch

im Kopp. Kaum ein Hauch, geschweige denn Wind ist zu spüren. Kein kühles Fleckchen mehr in der Wohnung. Einzig der Durchzug verschafft Linderung, die trügerisch ist, denn mit ihm kommt auch die Hitze in die Zimmer. Und der Staub, in dem ich eine Tropfspur nach der anderen hinterlasse.
Ich erledige mit Mühe den kleinen Alltag. Obst einkaufen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, den Abfall schnüren und runter bringen, die Treppe wieder hochgehen, hinlegen, ausruhen, irgendwie den Kopf beieinander halten oder doch lieber gleich die Augendeckel schließen und einnicken, auf dem Laken zerfließen, wieder aufstehen, mit dem neuesten Leporello der Kunsthalle sich ein wenig Luft zufächeln, Wäsche machen, das Abendessen vorbereiten, die Lieben empfangen, gemeinsam essen, spülen, und später auf dem Balkon das Abtauchen der Sonne mit einem kalten Rosé begrüßen.
Wenn ich so den Tag vertaumle, überkommt mich in der Dämmerung eine leise Panik, ob ich nicht etwas tun, planen oder überhaupt können sollen müsste, doch die Hitze lähmt mich, sie zerstreut jeden noch so kleinen Gedanken unauffindbar. So verludere ich die schwülichten Tage und verdöse die Zeit wie eine halbtote Fliege.
Für einen Temperatursturz würde ich einen Mord begehen, … oder lieber doch nicht.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sun

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Manche

mögen’s heiß.
Ich nicht.
Mir sind die moderaten Temperaturen lieber. Nur dann bin ich noch zu etwas fähig.
Hitze erschlägt mich und ich kann nichts mit mir anfangen. Dann verbröselt mir der Tag, und kein Tanz mit Worten will gelingen, was ohnehin selten passiert.
Ich sitze oder liege rum, warte, schaue aus dem Fenster, lese ein paar Gedichte von BUK, diesem verkorksten Genie, grinse und trinke Kaffee, warte, nehme den Zerstäuber und sprühe mir Wasser ins Gesicht, strecke mich auf den Fliesen im Bad aus, japse nach Luft, lege Pflaumen in den Kühlschrank, alles in Slow Motion, denn jede Bewegung bringt mich zum Schwitzen, freue mich auf die Liebste, die auf sich warten lässt, da sie besseres zu tun hat als ihren alimentierten Tunix zu kraulen. Wenn ich Glück habe, falle ich gegen Abend in den Schlaf und träume. Dann lastet keine Hitze mehr auf mir, alles ist angenehm und selbsterklärend. Nach dem Erwachen bleibt eine leichte Erregung zurück, mit der ich auf die Loggia trete, wo ein milder Luftzug sie in die tropische Nacht weht.
Weiter tut sich nicht viel.
Vielleicht tönen fremde Stimmen von den Balkonen, vielleicht scheint der Mond silbrig, vielleicht sehe ich eine Sternschnuppe verglühen, vielleicht ruft mich die Liebste ins Bett, vielleicht kommt mir sogar noch ein notabler Satz unter, aber all das kann meine Bedenken nicht entkräften, mit denen ich das Grauen des Morgens erwarte, das einen weiteren heißen Tag ankündigt.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fenster

III (Der Schuppen)

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nach

dem Aufwachen kam mir keine Verwendung für den heutigen, hitzerekordverdächtigen Tag in den Sinn. Ich streckte meine Glieder, döste vor mich hin und schlief wieder ein.
Im Traum rannte ich, was das Zeug hielt, rannte immer weiter, ohne mich umzublicken oder langsamer zu werden. Alles zog rasend schnell an mir vorüber, nichts blieb haften in diesem Reigen verwischter Bilder. Noch nicht einmal zum Schiffen hielt ich an.
Als ich zu mir kam, war ich zu erschöpft, um aufzustehen. Schlagkaputt ruhte ich aus und schlief ein. Nun geisterten urige Visagen in meinem Traum umher, aber die Unrast war glücklicherweise vorüber.
Als ich erneut wach wurde, dämmerte es bereits. Ich nahm eine Dusche und ging auf die Loggia, um meine Haut an der warmen Luft zu trocknen. Das tat gut. Ein letzter Fetzen Licht blitzte am goldenen Kreuz des Kirchturms auf.
Ich ging hinein und entschied mich für Bach. Der heilige Johannes nahm mich an die Hand und fügte alles zum Guten.
Und jetzt, während ich dieses Notat beschließe, möchte ich betonen, dass selten ein aufgegebener Tag so befriedet endete, wie der heutige.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fenster

II (Der Dachstuhl)

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Draußen

brütet die Hitze.
Ich ziehe mich zurück, gehe
duschen und laufe
tropfend durch die Wohnung,
bis der Körper trocken ist.
Die erste Dose Bier zischt.
Nichts tun und mit keinem reden
müssen, herrlich.
Die zweite Dose Bier zischt.
Eine Fliege krabbelt am Bein hoch.
Ich rühre mich nicht,
starre einen Schmutzfleck an.
Ein Furz kracht.
Die dritte Dose Bier zischt.
Keine Lust auf nichts.
Nur abhängen, allein mit dem Schweißfilm.
Die Klingel läutet.
Ich warte regungslos,
bis sie aufhört.
Die vierte Dose Bier zischt.
Ich pfeife auf dem letzten Loch,
stiere auf meine Füße, wackle mit den Zehen,
trinke aus und lege mich aufs Bett,
schließe die Augen, döse. Völlig schlapp
und ausdruckslos liege ich da.
Sätze mit fremden Federn erscheinen,
zu kurz, um sie lesen zu können.
Manchmal ist es ratsam,
den Sinn sausen zu lassen.
Ich spendier‘ mir noch ’ne kühle blonde Braut.
Setze sie auf den Bauch, löse die Riemen,
umsonst. Kein Engel rüstet
zum Flug. Ich klebe am Laken fest.
Hoch Detlef, mit weichem D,
drückt mich nieder.
Es herrscht Mucksmäuschenstille.
Der Schlaf kommt wie ein Dieb
auf Zehenspitzen.
Keine Sekunde zu früh.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Fenster

I (Das Klavier)

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Speicher

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare