Traumfrau

Im Traum lächelte mich eine Frau an und fragte: Was tun Sie? Ich verliere Zeit, sagte ich. Ich bin ein Zeitverlierer, das ist meine Arbeit. Ich verschwende sie nicht, ich verliere sie einfach. Ich bin froh, wenn sie davon ist und warte, bis sich wieder genügend Zeit einfindet, die ich verlieren kann. Dieses Warten ist mein Tun. Ich legte die Arme um die Frau und küsste sie. Danach veränderte sich alles. Ich erwachte.

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Gesichtsverlust

Im Traum kann man nie wissen, wer einem von hinten auf die Schulter klopft. Ich drehe mich um und erkenne ihr Gesicht nicht auf Anhieb. Die Augen sind klein, die Nase platt, die Lippen mürbe, und doch blitzt etwas auf zwischen uns, eine Erinnerung. Jedenfalls zeige ich mich von meiner besseren Seite und spendiere ihr ein wenig Zeit. Sie willigt ein und wir gehen was trinken. Beim ersten Bier verfällt sie ins Reden über ihr tristes Leben. Ich weiß nichts zu erwidern, spare mir die Fragen und gebe ihr noch ein Bier aus. Als ich ihre schönen Hände streichle, werden ihre Züge entspannter. Ich schaue sie an und vergesse den Verfall, ignoriere die faltige Haut. Langsam wird sie friedlich. Ein letzter Drink noch, dann verlieren wir uns auf der Straße aus den Augen. Ich gehe drauflos und sinniere, doch an ihren Namen kann ich mich nicht erinnern.

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Gummi des Tages

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Und es geht vorüber

Was für ein Morgen
am offenen Fenster:
luftiges Blau, fabelhaft
locker ziehende Wolken.
Kühle breitet sich aus
in den Räumen. Alles hat,
endlich, wieder ein Maß.
Die Knochen rüsten sich,
Bewegung scheint möglich.
Das ermattete Ich wagt
sich hinaus. So einfach
ist das. Und so klar
und einleuchtend.

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Däbsch

im Kopp. Kaum ein Hauch, geschweige denn Wind ist zu spüren. Kein kühles Fleckchen mehr in der Wohnung. Einzig der Durchzug verschafft Linderung, die trügerisch ist, denn mit ihm kommt auch die Hitze in die Zimmer. Und der Staub, in dem ich eine Tropfspur nach der anderen hinterlasse.
Ich erledige mit Mühe den kleinen Alltag. Obst einkaufen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, den Abfall schnüren und runter bringen, die Treppe wieder hochgehen, hinlegen, ausruhen, irgendwie den Kopf beieinander halten oder doch lieber gleich die Augendeckel schließen und einnicken, auf dem Laken zerfließen, wieder aufstehen, mit dem neuesten Leporello der Kunsthalle sich ein wenig Luft zufächeln, Wäsche machen, das Abendessen vorbereiten, die Lieben empfangen, gemeinsam essen, spülen, und später auf dem Balkon das Abtauchen der Sonne mit einem kalten Rosé begrüßen.
Wenn ich so den Tag vertaumle, überkommt mich in der Dämmerung eine leise Panik, ob ich nicht etwas tun, planen oder überhaupt können sollen müsste, doch die Hitze lähmt mich, sie zerstreut jeden noch so kleinen Gedanken unauffindbar. So verludere ich die schwülichten Tage und verdöse die Zeit wie eine halbtote Fliege.
Für einen Temperatursturz würde ich einen Mord begehen, … oder lieber doch nicht.

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Sun

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Manche

mögen’s heiß.
Ich nicht.
Mir sind die moderaten Temperaturen lieber. Nur dann bin ich noch zu etwas fähig.
Hitze erschlägt mich und ich kann nichts mit mir anfangen. Dann verbröselt mir der Tag, und kein Tanz mit Worten will gelingen, was ohnehin selten passiert.
Ich sitze oder liege rum, warte, schaue aus dem Fenster, lese ein paar Gedichte von BUK, diesem verkorksten Genie, grinse und trinke Kaffee, warte, nehme den Zerstäuber und sprühe mir Wasser ins Gesicht, strecke mich auf den Fliesen im Bad aus, japse nach Luft, lege Pflaumen in den Kühlschrank, alles in Slow Motion, denn jede Bewegung bringt mich zum Schwitzen, freue mich auf die Liebste, die auf sich warten lässt, da sie besseres zu tun hat als ihren alimentierten Tunix zu kraulen. Wenn ich Glück habe, falle ich gegen Abend in den Schlaf und träume. Dann lastet keine Hitze mehr auf mir, alles ist angenehm und selbsterklärend. Nach dem Erwachen bleibt eine leichte Erregung zurück, mit der ich auf die Loggia trete, wo ein milder Luftzug sie in die tropische Nacht weht.
Weiter tut sich nicht viel.
Vielleicht tönen fremde Stimmen von den Balkonen, vielleicht scheint der Mond silbrig, vielleicht sehe ich eine Sternschnuppe verglühen, vielleicht ruft mich die Liebste ins Bett, vielleicht kommt mir sogar noch ein notabler Satz unter, aber all das kann meine Bedenken nicht entkräften, mit denen ich das Grauen des Morgens erwarte, das einen weiteren heißen Tag ankündigt.

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Fenster

III (Der Schuppen)

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Nach

dem Aufwachen kam mir keine Verwendung für den heutigen, hitzerekordverdächtigen Tag in den Sinn. Ich streckte meine Glieder, döste vor mich hin und schlief wieder ein.
Im Traum rannte ich, was das Zeug hielt, rannte immer weiter, ohne mich umzublicken oder langsamer zu werden. Alles zog rasend schnell an mir vorüber, nichts blieb haften in diesem Reigen verwischter Bilder. Noch nicht einmal zum Schiffen hielt ich an.
Als ich zu mir kam, war ich zu erschöpft, um aufzustehen. Schlagkaputt ruhte ich aus und schlief ein. Nun geisterten urige Visagen in meinem Traum umher, aber die Unrast war glücklicherweise vorüber.
Als ich erneut wach wurde, dämmerte es bereits. Ich nahm eine Dusche und ging auf die Loggia, um meine Haut an der warmen Luft zu trocknen. Das tat gut. Ein letzter Fetzen Licht blitzte am goldenen Kreuz des Kirchturms auf.
Ich ging hinein und entschied mich für Bach. Der heilige Johannes nahm mich an die Hand und fügte alles zum Guten.
Und jetzt, während ich dieses Notat beschließe, möchte ich betonen, dass selten ein aufgegebener Tag so befriedet endete, wie der heutige.

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II (Der Dachstuhl)

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