Sun

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Manche

mögen’s heiß.
Ich nicht.
Mir sind die moderaten Temperaturen lieber. Nur dann bin ich noch zu etwas fähig.
Hitze erschlägt mich und ich kann nichts mit mir anfangen. Dann verbröselt mir der Tag, und kein Tanz mit Worten will gelingen, was ohnehin selten passiert.
Ich sitze oder liege rum, warte, schaue aus dem Fenster, lese ein paar Gedichte von BUK, diesem verkorksten Genie, grinse und trinke Kaffee, warte, nehme den Zerstäuber und sprühe mir Wasser ins Gesicht, strecke mich auf den Fliesen im Bad aus, japse nach Luft, lege Pflaumen in den Kühlschrank, alles in Slow Motion, denn jede Bewegung bringt mich zum Schwitzen, freue mich auf die Liebste, die auf sich warten lässt, da sie besseres zu tun hat als ihren alimentierten Tunix zu kraulen. Wenn ich Glück habe, falle ich gegen Abend in den Schlaf und träume. Dann lastet keine Hitze mehr auf mir, alles ist angenehm und selbsterklärend. Nach dem Erwachen bleibt eine leichte Erregung zurück, mit der ich auf die Loggia trete, wo ein milder Luftzug sie in die tropische Nacht weht.
Weiter tut sich nicht viel.
Vielleicht tönen fremde Stimmen von den Balkonen, vielleicht scheint der Mond silbrig, vielleicht sehe ich eine Sternschnuppe verglühen, vielleicht ruft mich die Liebste ins Bett, vielleicht kommt mir sogar noch ein notabler Satz unter, aber all das kann meine Bedenken nicht entkräften, mit denen ich das Grauen des Morgens erwarte, das einen weiteren heißen Tag ankündigt.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fenster

III (Der Schuppen)

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nach

dem Aufwachen kam mir keine Verwendung für den heutigen, hitzerekordverdächtigen Tag in den Sinn. Ich streckte meine Glieder, döste vor mich hin und schlief wieder ein.
Im Traum rannte ich, was das Zeug hielt, rannte immer weiter, ohne mich umzublicken oder langsamer zu werden. Alles zog rasend schnell an mir vorüber, nichts blieb haften in diesem Reigen verwischter Bilder. Noch nicht einmal zum Schiffen hielt ich an.
Als ich zu mir kam, war ich zu erschöpft, um aufzustehen. Schlagkaputt ruhte ich aus und schlief ein. Nun geisterten urige Visagen in meinem Traum umher, aber die Unrast war glücklicherweise vorüber.
Als ich erneut wach wurde, dämmerte es bereits. Ich nahm eine Dusche und ging auf die Loggia, um meine Haut an der warmen Luft zu trocknen. Das tat gut. Ein letzter Fetzen Licht blitzte am goldenen Kreuz des Kirchturms auf.
Ich ging hinein und entschied mich für Bach. Der heilige Johannes nahm mich an die Hand und fügte alles zum Guten.
Und jetzt, während ich dieses Notat beschließe, möchte ich betonen, dass selten ein aufgegebener Tag so befriedet endete, wie der heutige.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fenster

II (Der Dachstuhl)

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Draußen

brütet die Hitze.
Ich ziehe mich zurück, gehe
duschen und laufe
tropfend durch die Wohnung,
bis der Körper trocken ist.
Die erste Dose Bier zischt.
Nichts tun und mit keinem reden
müssen, herrlich.
Die zweite Dose Bier zischt.
Eine Fliege krabbelt am Bein hoch.
Ich rühre mich nicht,
starre einen Schmutzfleck an.
Ein Furz kracht.
Die dritte Dose Bier zischt.
Keine Lust auf nichts.
Nur abhängen, allein mit dem Schweißfilm.
Die Klingel läutet.
Ich warte regungslos,
bis sie aufhört.
Die vierte Dose Bier zischt.
Ich pfeife auf dem letzten Loch,
stiere auf meine Füße, wackle mit den Zehen,
trinke aus und lege mich aufs Bett,
schließe die Augen, döse. Völlig schlapp
und ausdruckslos liege ich da.
Sätze mit fremden Federn erscheinen,
zu kurz, um sie lesen zu können.
Manchmal ist es ratsam,
den Sinn sausen zu lassen.
Ich spendier‘ mir noch ’ne kühle blonde Braut.
Setze sie auf den Bauch, löse die Riemen,
umsonst. Kein Engel rüstet
zum Flug. Ich klebe am Laken fest.
Hoch Detlef, mit weichem D,
drückt mich nieder.
Es herrscht Mucksmäuschenstille.
Der Schlaf kommt wie ein Dieb
auf Zehenspitzen.
Keine Sekunde zu früh.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Fenster

I (Das Klavier)

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Speicher

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

4 Dates

Während ich dicht an der Mauer entlangging, sah ich an einem trüben Tag zunächst nur ein dunkles Schemen, dann aber, als ich näher kam und den leeren Platz kreuzte, eine junge Frau, deren schwarze Augen mich mit einem derart durchdringenden Strahl trafen, dass ich keinen anderen Schluss ziehen konnte, als das Weite des Domdaches aufzusuchen und vogelgleich von oben den Platz mit der einsam stehenden Figur ins Visier zu nehmen und den Auslöser meiner Kamera zu drücken, einem Apparat, der mir die Balance zwischen Triumph und Kapitulation zurückgab, mit der ich sonst mein Leben zu führen versuche.

*

Schließlich, an einem strahlend blauen Tag, traf ich auf eine Frau, die mein Vorstellungsvermögen um jene Spekulation bereicherte, die ich schon lange hegte, aber nie zu entwickeln wagte, da sie nichts weniger versprach als eine Umarmung, in der ich, mir selbst entwandt, endlich zur Ruhe kommen würde -, allein, ich nahm sie nur aus der Ferne auf, und zurück blieb ein Erinnerungsbild, auf dem das Verheißungsvolle meiner Spekulation nicht zu ahnen ist, denn niemand sieht, was ich sehe.

*

An einem anderen Tag ging mir eine junge Frau voran. Sie nahm es hin, dass ich ihr folgte. Selbst als sie zwischen zwei Eisenplatten trat, die sich gefährlich neigten, blieb sie ruhigen Schrittes nur auf ihr Gehen bedacht. Nichts hielt sie ab, sich einem möglichen Verhältnis zu entziehen, sie blieb für mich, ihrem Verfolger, ohne Gesicht und Geschichte. Kein Versuch, sie zu passieren und zu fotografieren, gelang mir. Ich weiß nicht, wie ich sie aus den Augen verlor, noch Minuten danach hielt mich ein schwindelartiger Zustand gefangen, der sich nur langsam löste. Obgleich ich keine Mühen scheute, blieb sie für mich verschwunden und auf ewig unerkannt.

*

Mir liegt wenig daran, dieses Begebnis zu kommentieren. Ich könnte darauf verzichten, aber ich verfasse gelegentlich gerne ein paar Sätze, obwohl ich fürchte, dass sie an anderer Stelle schon gefallen sind. Es ist also überflüssig, weiterzumachen. Doch zuweilen hat gerade das Überflüssige seinen Reiz, und so will ich gegenüber dir, lieber Leser, bekennen, wie ich an einem schwülen Tag eine wildfremde Frau zum Lachen brachte. Ich stand hinter einem Baum und wollte ungesehen fotografieren, da bemerkte sie mich und ich schlagfertigte sie mit dem Spruch ab: „Gönn‘ Dir eine Pause und schöpfe Atem!“ Ich weiß, dieser Satz klingt nicht nach höherer Bildung, doch für sich und anderen gegenüber ausgesprochen, wird er rasch zu einem leicht verdaulichen Motto für den zuweilen arg strapaziösen Alltag. Deshalb schenke ich dir, lieber Leser, diesen Satz und entferne mich jetzt.

Veröffentlicht unter Texte | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Wurzeln

Der Mensch braucht Platz und Boden.

Ein ganzer Berg von Wurzeln.

Ausgerissen, weggeschmissen, darauf wartend, angezündet zu werden und als Glut und Rauch sich auszuhauchen.

Pflanzen wehren sich nicht. (H)

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar