Ideal Korpus

Architektur altert.
Immer.
Nicht immer gleich gut.
Das hat auch etwas mit Pflege und Instandhaltung zu tun.
Die Schrift am Haus kann nur ironisch wirken, an ein Fitness-Studio denkt man nicht sofort bei diesem Schuhkarton, der seine bessren Tage schon hinter sich hat. Dem „Premi“ folgt noch ein „um“ – und mit dem Sperrmüll davor, nun ja.
Wohl gibt es anderes, besseres inzwischen, die Zeit geht, manchmal merkwürdig schnell, drüberhin. Auch auf dieses Haus war einmal jemand stolz gewesen, ging erhobenen Hauptes und mit einem Lächeln hinein. Jetzt könnte es die Kulisse für einen Zombie-Film abgeben. Dieser Baustil verträgt keine Patina. (H)

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Ecce Tor

Eine Tür ist eine Grenze, Drinnen – Draußen. Diese Tür ist oft benutzt worden, über lange Zeit. Man sieht es ihr an. Als sie noch neu war sorgfältiger, später unachtsam, nachlässig.
Mal keine Zeit, dann ist sie im Weg.
Sie wurde nicht gepflegt, nicht mehr gestrichen, nicht repariert.
Sie hatte zu funktionieren.
Wurde alt, verlor an Wert.
Die Macken nahmen zu, Stücke brachen ab, wurden nicht ersetzt, richtig fest ist sie nicht mehr, sie schließt nicht mehr sauber, quietscht in den Angeln.
Die Arbeit der Zeit.
Stolz ist da keiner mehr zu sehen, es sei denn der, so lange durchgehalten zu haben, irgendwie. (H)

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NN

Ich denke die ganze Zeit an eine anmutige Schönheit, von der ich fast nichts weiß. Ich wundere mich selbst, wie man so viel an jemanden denken kann, von dem man nur ein unscharfes Bild vor Augen hat. Ich mache mir Sorgen, weil die Gedanken an diese Frau mich vom normalen Gang meines Lebens ablenken. Ich kann mir das nicht erklären. Einiges ist danebengegangen, seitdem sie mir erschienen ist und ich nicht mehr aufhören kann, an sie zu denken. Ich muss eine Möglichkeit finden, sie zu vergessen. Am besten wäre, ich sähe sie wieder, denn dann würden meine Gedanken, die ich auf sie verwende, so übermächtig neben ihr wirken, dass sie selbst klein und unscheinbar würde, so dass ich nicht mehr an sie denken müsste. Das ist meine Hoffnung -, aber wenn sie sich nicht erfüllt, werde ich weiter von Gedanken an eine Frau überwältigt, von der ich fast nichts weiß. Ich würde gefangen bleiben von etwas, das unwillkürlich begonnen hat und das keiner aufhalten kann, geschweige denn, dass jemand weiß, wie es enden wird. Ohne Zweifel müsste ich dann mein Leben mit Gedanken an eine unbekannte Schönheit verbringen, und das wäre sicher eine harte Prüfung. Aber was mich an manchen Tagen beunruhigt, ist, dass niemand, und am wenigsten ich selbst, weiß, ob das so schrecklich wäre.

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Falter im Pool

Bitte (nach Franz Hohler)

Könntest du
Fotograf
das nächste Mal
wenn du einen Todeskampf aufnimmst
und möglichst nah heranzoomst
könntest du dann
deine Kamera sinken lassen
und stattdessen
das Lebewesen retten?
Danke.

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Triangle

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Fingerzeig

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Ballen

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Short cuts XLVII

Nach einem heißen Tag köpfe ich den Roten und genieße auf dem Balkon im Schatten die Abwärme der Backsteinwand. Unten im Garten plaudern Syrer, während sie ihr Kanu transportfertig machen. Daneben sitzen rothäutige Twens in der Abendsonne und trinken Bier in Dosen. Ein Kind lärmt, ein zweites trampoliert und ein drittes wirft Sandstaub in die Höhe. Bisweilen ziehen Pappelsamen traumverloren am Geländer vorbei. Ein leichter Wind lässt die Blätter sanft rauschen. Und da passiert noch das Unvermeidliche: Hyperactive Dad inszeniert erneut den Triumph des Grillens, zum xten Mal, in unterschiedlichsten Settings. Vielleicht brennen heute mal nicht die Würste und Fische an und verbreiten üblen Gestank. Über allem zieht eine Cessna ungerührt ihre Kreise am Himmel. Später wässere ich die Blumenkästen, deren Erde furztrocken ist. Beim Eindunkeln kommen fünf Mütter in den Garten und schnattern. Die Gläser klirren, die Kerzenlichter flirren, die Stimmen widerhallen von den Hauswänden. Ich höre zu, verstehe indes nur einzelne Wörter, die sich um ihre Blagen drehen. Desinteressiert wende ich meine Sinne ab und wachträume von all-inclusivischen Umarmungen. So verlasse ich mit der Hoffnung auf eine markante Nacht den Balkon. Drinnen ist es unheimlich leer und ruhig. Leise trotte ich durch den Flur, trete ins Schlafzimmer ein und sehe die kaum verhüllte Liebste auf dem Lager liegen. Flugs steige ich aus den Klamotten, im Kopf ein Lustspiel sondergleichen, doch da schallt es aus ihrem lobpreisverdächtigen Mund: „Nein, jetzt nicht, bald, vielleicht. Und zieh’ noch die Plissees runter, bitte.“ Ich folge ihren Worten und verfüge mich auf meine Seite des Bettes. Kurz darauf stellt sich eine Art von Entspannung ein, als ich mir, eingerollt in meine Decke, einen anderen Schluss dieses Tages, dieses Textes ausmale. Die Details bleiben hier unbeschrieben. Sie gehören nur mir. Ich behalte sie in petto und verdünnisiere mich in die „Traumweberei“.

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Lines

Lebewesen bewegen sich nicht linear.
Bögen, Kurven, Schlingen, Überschneidungen, Wiederholungen – wir gehen und gleiten nicht auf geraden Wegen, weder durch’s Leben noch sonstwohin.
Spuren in Erde, auf dem Asphalt oder Eis, unbeachtete Überbleibsel von, vielleicht, ein wenig kurzer Freude. Spuren des Rollens und Gleitens, die vielleicht begleitet wurden von roten Wangen und dem Verfliegen von Atemwolken aus blauroten Gesichtern.
Sie sind ein Nebenprodukt von dem was Spaß, Unterhaltung, Ablenkung, was kurzes Sein in anderem Zustand war; Zeichen dessen, was Leben – auch – bereithält, manchmal.
Minuten auf der Bahn, der Straße, dem Eis, wenn’s gut läuft, tanzen wir einen kurzen Moment, auf kalter, unsicherer, brüchiger Fläche ohne Grund, einem Dunkel, aus dem Augen großer eingefrorner Fische starren.
Im Frühjahr schmilzt dann das Eis, niemand denkt mehr dran, getaut, verlaufen, vergessen. (H)

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Sandscape

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