LOST CATS FIND NEW WAYS

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Extemporalien in Dosen oder: Schreiben aufs Geratewohl

Ich saß coronahalber auf meinen vier Buchstaben und ging in meinem Kopf fremd. Dort erschienen mir Sätze, die sich unaufgefordert vermehrten. Ich gab ihnen Nummern und doste sie ein

Dosis IV

31 Grillen kreisen durch den Raum. Nur du, Heiliger Durchzug, weißt, wo und wann sie sich niederlassen werden. Doch sie zieren sich derart, dass ich sie passieren lassen muss. So bleibt das Spiel heute aus

32 Draußen herrscht ein unbekannter Plot. Ein Rauschen und törichte Rufe, dann ein Knall, dem nichts mehr folgt. Endlich kann ich in den Keller flüchten und meinen Mund auf die Leine hängen, wo er abtropft und Lachen bildet

33 Ein Neunmalkluger besäuft sich in der Nähe des rechten Winkels. Dort lohnt der Sex zwar die Mühe nicht, aber das Programm zahlt sich aus, wenn für die Unterhaltung der Akteure die Sanftmütigen sorgen. Dann kann man es wenigstens als Schlankheitskur absetzen

34 Die Coolness weilt im Nebenher, während der Gourmand ins Leserkontor versetzt wird, wo er seine Kräfte einbüßt. Die Ammoniakwinkel verströmen Düfte, die noch den geübtesten Träumer ins Grübeln geraten lassen. Im Zentrum der Affinitäten zirkulieren derweil die Fingerzeiger und rufen ihre Beschwerungen aus

35 Mein heiles Gänsje, ich bin dein Widder mit dem Schwänzje, immer widder wird’s widder gut, wenn’s Schwänzje im Gänsje ruht

36 Die Muse kam als grüne Fee und hinterließ einen Kater in der leeren Wohnung. MissMut fand ihn vor und knüpfte ihn im Bad auf. Dort tropfte er ab, bis der Klempner kam und ihn ausweidete. Hoffentlich löste er damit keine Panik bei den anderen Haustieren aus. Derweil stromerten vor dem Fenster simple Schatten vorbei

37 Du hast soeben den Text verlassen, geschwinder als meine Finger deinen Namen niederschreiben konnten

38 Und schon kracht der Hausregen runter und nässt das Sofa. Ich ziehe ein Brotlos, weiß aber nicht, wie es zu verzehren ist. Erschöpft rühren die Neider ihre Malaisen, beschweren sich aber erst, als auch das letzte Wort verschoben wird

39 Ich sitze auf schmalstem Grund, lese von einer Zeit, die einem aus der Hand frisst. Das Licht tritt durch das Fenster ein, die Landschaft reist an mir vorüber und nichts fehlt

40 Honey meint: A lot of people will be benefited from your writing. Dabei liest doch kaum einer meine Petitessen. Das sind schon schräge Vögel, loben, was sie nicht kennen, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber an manchen Tagen sind selbst Spams mir ein Quantum Trost

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Duell

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Extemporalien in Dosen oder: Schreiben aufs Geratewohl

Ich saß coronahalber auf meinen vier Buchstaben und ging in meinem Kopf fremd. Dort erschienen mir Sätze, die sich unaufgefordert vermehrten. Ich gab ihnen Nummern und doste sie ein

Dosis III

21 Nach dem Film kam mir ein Gedanke und ging gleich wieder ins Einerlei der gleichförmigen Stunden ein, wo er sich schnurstracks in Widersprüche verwickelte, ohne jedoch mich darüber aufzuklären, was mit all dem anzufangen wäre, wenn der letzte Cut misslingen würde

22 Eben noch ein vom Vögeln durchwirktes Licht, jetzt die handgreifliche Trostlosigkeit der leeren Laken. Ich sprenge keine Fugen mehr, der Saft ist vergärt. Im Abseits lauert die schwarze Witwe

23 Unter hängenden Wolken schleiche ich am Fuße des Wochenberges durch das Tal der Pflichten. Der Ball rollt wieder. Mir bleibt ein Rätsel im Anflug

24 Wer dünkt, er stehe ewig, mag wohl zusehen, wie er falle. Ein leichtes Beben zunächst, dann tiefes Absinken und unterseeische Stille, zuletzt ein landschweres Glied

25 Gebt mir eine exorbitante Explosion von Flieder oder ich reiße mir den Arsch auf und lasse eine verpestete Liebenswürdigkeit entweichen. Vielleicht kommt noch etwas besseres, später. Oder eben nicht

26 Ich ging hinaus und umarmte eine Frau mit bubenhafter Statur, die sich mitnichten zu befreien versuchte, vielmehr alles verlangte, was ich zu geben mir vorstellen konnte. Und so zertrümmerte ich ihre Marmorlippen und bekam ein heiteres Lachen zu hören ob der Wortbrocken, die vor uns auf dem Rasen stammelten, jenseits allen Sinns

27 Zuweilen bemerke ich, wie am helllichten Tag die schlaftrunkenen Lider ganz sachte sich schließen und nur noch Geräusche mich erreichen. Dann dämmre ich vor mich hin und werde zu einem Lauscher, der an einer Brüstung steht und rätselhafte Töne von sich gibt

28 Ätzende Teenietussies, die schief gewickelte Fragen stellen, während ich nach dem Wesen des Versprechers fahnde, denn nur er weiß um die schrägen Blicke, die ins Vielerlei der Visionen führen. Doch ein Fintenschleicher bin ich nicht

29 MissTrain, wo bleibt dein Zahnersatzlächeln? Das Klappergestell vögelt selten, die Nuten halten dem nicht stand. Und du hasst Zungenkussmundgeruch! Unter meinem Hemd döst der Nabel

30 Müde vom Gestern und mit einem Schleier vor den Augen findet mich die Ruhestatt erst, als der Atem nur noch ein Gastspiel gibt. Langsam wächst ein Segel mir ans Herz

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Pfingsten

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Extemporalien in Dosen oder: Schreiben aufs Geratewohl

Ich saß coronahalber auf meinen vier Buchstaben und ging in meinem Kopf fremd. Dort erschienen mir Sätze, die sich unaufgefordert vermehrten. Ich gab ihnen Nummern und doste sie ein

Dosis II

11 Heute war ich kurz angebunden. Es gab nichts auszufabeln

12 Auf der Schwelle zur Kapelle habe ich die Totenfeier mit dumpfem Herzschmerz überstanden. Die meisten konnten sich nur durch Grasrauchen beherrschen. Danach war alles wie immer: betretenes Schweigen. Als fünftes Rad am Wagen verließ ich das Erinnerungsfoto

13 Ich liege wach im nassen Sand. Vögel ziehen Linien am Himmel. Nebenan wärmen sich die Nackten mit ihren Gliedern. Alle Rechnungen bleiben offen. Der endlose Sommer storniert meine eitlen Idiotien. In Zukunft gilt es wohl nur noch Ornamente des Dösens zu sammeln

14 Ich fühle mich wie der Refrain eines traurigen Liedes: mutterseelenallein. Mein Körper ist kaum spürbar, und ich weiß nicht mehr ein noch aus

15 Er will es mit ihr, sie mit ihm. Nehmen sie an. Es geht nicht, tut schon weh. Das war’s. Ein ander Mal. Vielleicht. Bestimmt. Niemals

16 Ein kleiner fieser Nachschlag und schon heuert die Kontaktwaise ihre eingebildeten Freunde an, um sich zu verlustieren am Bahnhof der Gesten

17 Als Lied bin ich ein Windhund. Was, wenn die Bilder uns verraten? Du bist ohnehin in deinem Schatten eingekerkert. Also, was löst Staunen aus? Ein Tag, reich an Himmeln

18 Im Kern der Einrichtung verzehrt sich die Frage nach dem Warum. Ohne Lustbarkeiten zieht die Zeit nur Nieten nach sich. Vor dem Büro der Vagabunden ist der Vorsitzende in flagranti mit der Schwester des Türstehers. Postwendend bekommen die Psalmodierenden den Applaus, der ihnen den Atem nimmt

19 Mit Blick auf das unvermeidbare Vergnügen gehabt euch wohl, ihr Prosakurgäste. Ich hol‘ noch das Manna aus dem Ständer, kurz bevor die Tinte nachlässt

20 Ich will einmal hemmungslos ausharren vor dem Loch und hineinstarren in diese Förderanlage, bis die lange Weile kommt

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Extemporalien in Dosen oder: Schreiben aufs Geratewohl

Ich saß coronahalber auf meinen vier Buchstaben und ging in meinem Kopf fremd. Dort erschienen mir Sätze, die sich unaufgefordert vermehrten. Ich gab ihnen Nummern und doste sie ein

Dosis I

1 Das hellste Licht trat heute auf, als ich den Kühlschrank öffnete und mir eine PinkLady, zuckersüß und bissfest, zulächelte. Wie geht’s weiter, fragte ich. Ohne Hausgeist wird es nicht klappen, meinte sie. Los jetzt, nur keine Müdigkeit vorschützen. Du verlierst ja nichts, gewinnst aber ein paar unverschämte Minuten des Glücks im toten Winkel, vielleicht

2 Die Spannung schlägt um. Die ausrangierten Kerle trotten ins Kino, wo die neidischen Tröster verstummen. Tagbleich steht der Zottel im Karree und weiß sich nicht zu helfen. Selbst der Bote versinkt vor Heiterkeit im Hodenreich. Rauch steigt auf, das Pathos der Schwaden löst jede Trauer, und hinter dem Horizont taucht das azurne Schmunzeln auf

3 Unterm Teppich riecht es nach grauer Vorzeit, die Fäden ludern aus, Staubmäuse spaßen umher. Es lauert die kalte Progression. Außer dem ABC der Protokollarien bleibt nichts zurück. Ich raste ein ins Zappenduster, fürchte das Pendeln der Wände und hoffe auf einen Sibyllenboden, der mich lichtwärts trägt. Der Rest wäre blauer Rauch

4 Kennst du das Geräusch, mit dem die Tulpen welken? Wenn nicht, dann ist dir Beifall von der falschen Seite sicher. Insbesondere könnten Verwechslungen mit verfaulten Äpfeln passieren, was zu Irritationen unter den Nadelhölzern führen würde. Auch die Schatten der Birken hätten nichts zu lachen mehr, die Teiche liefen über und mit verbundenen Fingern schreckten die letzten Geliebten des Moores aus ihren Verstecken auf. Nur unschuldige Wünschelrutengänger könnten dann noch die Betroffenen aus der Reizzone führen. All das müsste in einem Roman auftreten können

5 Ein DISLIKE prangt in fetten Lettern auf dem Shirt des busenreichen Mädchens, dem beim Fallen von der Schaukel dussliges Jauchzen entfährt, bevor ihr Freund mit nackten Armen sie verdrückt. Ohne jede Not löst er die Riemen und legt los, um die Berge verduften zu lassen

6 Oh, wie schön die Buchstaben der Muttersprache ab- und anwellen im Niedermeer der Langsamkeit, bis die Damen und Herren der Schöpfung die Flagge der Provisorien hissen, um den Zeilen ein Ende zu setzen

7 Seeluftumtost streiche ich am Strand der Zuversicht entlang und versuche mich der wirbelnden Tiefe in mir zu entziehen. Doch die annonce funeste trifft mich in Gestalt von Petitionen, die sich nicht abweisen lassen. Dann schwimmen mir die Zufälle davon

8 Wir saßen auf der Terrasse und spielten Renommee. Der Rasen lag ausgespannt im Schatten, in dem sich die LadyLove räkelte. Sie aß Melonen. Ohne mit der Wimper zu zucken mussten wir für Nachschub sorgen, denn sonst ließ sie uns nicht ran. Eine Höhle aus Matratzen wurde mit Himbeersirup bestrichen, nur der schräge Herold durfte nicht rein, da er auf einem Hochsitz den Wächter mimte und ohnehin lieber äugte als lutschte. Dann legten wir los. Die Lady klebte fest, wir rutschten über sie hinweg, zogen an ihren Gliedern, leckten ihre Haut ab, doch keiner ging weiter. Unkenrufen zum Trotz wanderten wir danach immer nur gemeinsam über ihren Körper, aber nichts wiederholte sich, alles blieb ungesühnt. So kratzten wir die Kurve, um nicht im Laberteich zu versinken

9 Zwischen Stamm und Borke hock‘ ich, weder mehr noch weniger zu denken fällt mir ein, einzig der Schatten gibt mir Frieden, die Sonne muss ich dagegen meiden, zu hell scheint sie mir ins Gewissen. Und doch: eine Fettlebe im Blau -, so könnte ich mich mir vorstellen. Stattdessen schon am Morgen nichts als Pflichten, und alle Nymphen bedrohlich wach

10 Müde trotte ich vor mich hin, nichts hält mich, einzig die metrischen Freiheiten meiner Schritte spenden Trost, aber nicht lange, schon treffen mich die aufgeblasenen Nichtse, denen ich nur durch querschießende Loops entkommen kann: Augen zu und dichten

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Weder Gottes Hand

noch Teufels Kralle

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Short cuts XLVI

Es war einmal ein Mittag, da fiel er in einen komatösen Schlaf und träumte, ihm könne nichts mehr passieren, da alles schon geschehen wäre. Beim Aufwachen verfing er sich im Rätselgespinst von Sätzen. Ohne mit der Wimper zu zucken tat er seine Zeilen kund, die vom Liebeselend unter den zartbesaiteten Körpern handelten. Keiner wusste, von wem eigentlich die Rede war. Danach floh er die Erlesenheit seiner Welt und ging umher. Ein Mann kam ihm entgegen und verlangte seine Barschaft. Vorbei sind die Zeiten des unverdorbenen Streifens, und es wäre ratsam, sich bisweilen tot zu stellen. Gegen Abend staunte er leuchtend goldene Streifen an, als das Licht der Sonne sich in Fenstern von Autos brach. Über allem funkte die Stille, und dieses Sekundenglück war das letzte, was ihm der Tag zukommen ließ.

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Beauty

Porto

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